
Eine kalte Tasse Tee neben einem unbearbeiteten Stapel Formalerschließung, eine Signatur, die partout nicht auffindbar ist – so hat lange jeder zweite Nachmittag am Stehpult in meiner Potsdamer Fachbibliothek ausgesehen. Was sich seit den Ahnenkraft-Übungen von Andreas Goldemann daran verändert hat, notiere ich seit einer Weile in meinem Leinen-Heft, am deutlichsten sichtbar nicht als große Erleuchtung, sondern als Unterschied zwischen zwei ganz gewöhnlichen Arbeitstagen: einem ohne Vorbereitung und einem mit einer kurzen Session davor. Konzentration bei der Arbeit war für mich als Bibliothekarin nie eine Frage von Willenskraft allein, das habe ich im Umgang mit fragmentierter Aufmerksamkeit gelernt – erst bei anderen, irgendwann auch bei mir selbst.
Bevor es weitergeht, kurz zur Offenlegung: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Bucht du einen Kurs darüber, bekomme ich eine Provision, dein Preis bleibt gleich. Ich schreibe ausschließlich über Kurse, die ich selbst durchgearbeitet und ins Leinen-Heft eingetragen habe. Ich bin weder Ärztin noch Therapeutin, sondern teile hier meinen eigenen Weg als Bibliothekarin.
Ein Nachmittag ohne Vorbereitung
An solchen Nachmittagen fällt mein Blick immer wieder auf dieselbe Signatur, ohne dass der Verstand sie verarbeitet. Das System der Dewey-Dezimalklassifikation, das mir sonst so vertraut ist wie die eigene Handschrift, wirkt dann plötzlich fremd. Früher stand in solchen Phasen meine Lieblingstasse oft eine ganze Vormittagsschicht lang kalt und unangetastet neben einem Stapel alter Unterlagen, während ich mich durch den Tag schleppte, ohne wirklich anzukommen.
Nach dem Tod meines Vaters im Herbst 2022 habe ich einiges ausprobiert, um wieder klar zu denken. Eine Trauergruppe im Stadtteilzentrum war eines davon – nach drei Treffen bin ich nicht mehr hingegangen. Nicht, weil dort etwas falsch gemacht wurde, sondern weil das Format nicht zu dem passte, was ich eigentlich brauchte: keine Gruppe, die über den Verlust an sich spricht, sondern etwas, das mir hilft, am Stehpult wieder bei der Sache zu bleiben. Über Trauerverarbeitung im engeren Sinn schreibe ich an anderer Stelle ausführlicher, hier geht es nur um das, was danach mit meiner Konzentration passiert ist.
Falls du selbst gerade in einer akuten Krise oder tiefen Erschöpfung steckst, ist der Weg zu einem Arzt, einer Psychotherapeutin oder einer Trauerbegleitungsstelle wichtiger als jede Übung hier – das ersetzt keine dieser Adressen, sondern ergänzt sie höchstens.
Manches davon berührt sicher auch übernommene Familienmuster, aber das ist ein anderes Kapitel als dieses hier.

Was passiert, wenn vorher eine kurze Session steht?
Wenn ich vorher eine kurze Session einlege, sieht dieselbe Szene an solchen Tagen anders aus. Ich nutze die Übung dabei nicht, um irgendwo anzukommen oder etwas zu heilen, sondern rein funktional, direkt vor einem Arbeitsblock in der Fachbibliothek – Konzentration ist dabei eher ein Nebeneffekt als das eigentliche Ziel. Was sich dabei löst, nenne ich inzwischen schlicht eine energetische Blockade, ohne im Einzelnen erklären zu wollen, was in dem Moment genau passiert.
Andreas Goldemanns Methode war nie als Fokus-Training gedacht, aber genau dafür setze ich sie mittlerweile ein. Wer sich für die Grundlagen interessiert, findet die Hintergründe im Artikel Lohnt sich Phoenix999 Kraft der Ahnen? Ein ehrlicher Testbericht – hier soll es nicht um den Kurs an sich gehen, sondern um das, was am Stehpult davon übrig bleibt.
Man muss dafür keine Ausbildung machen, um die eigene Ahnenlinie fühlen zu lernen – das war für mich als Bibliothekarin ohne therapeutischen Hintergrund die eigentliche Einstiegshürde, die wegfiel.
Ich habe inzwischen alle vier Phoenix999-Kurse durchgearbeitet, aber für die Konzentration bei der Arbeit ist es fast immer Kraft der Ahnen, zu dem ich zurückkehre. Jede Sitzung bekommt bei mir einen Vermerk im Leinen-Heft und oft eine Zitatkarte im gelben Karteikasten dazu, mit Querverweisen wie bei einer Akte – das Sitzungsprotokoll gehört für mich zum System, nicht nur zur Erinnerung. Die Kurse haben dabei ihr eigenes Vokabular entwickelt, das ich längst nicht mehr übersetzen muss, um damit zu arbeiten.
Die Schokolade kommt genau dann, wenn ich am wenigsten davon gebrauchen kann
Rosmarie aus dem Freihandbereich bringt ungefragt Schreibtischschokolade vorbei, meistens genau dann, wenn ich mitten in einer komplizierten Erwerbung stecke. Früher hat mich das jedes Mal aus der Spur geworfen, ein kurzer Plausch, und der Faden zur Aufgabe war für den Rest des Vormittags weg. Neulich stand sie wieder mit einer Tafel in der Tür, mitten in einem eng getakteten Arbeitsblock, und ich war nach ein paar Sätzen wieder bei der Erwerbung, fast ohne es zu bemerken.
Manche körperlichen Reaktionen während der Sessions – ein Wärmegefühl in den Waden, ein Ziehen im Rücken – lassen sich einordnen, wenn man einmal die körperlichen Symptome der Ahnenheilung nachliest.
Das war für mich der eigentliche Beleg, nicht ein Gefühl beim Üben selbst.
Ahnenkraft-Übung und Konzentration: eine Faustregel, keine Garantie
Der Unterschied lässt sich inzwischen ziemlich genau eingrenzen. An ruhigen Tagen, an denen der Vormittag ohne viel Publikumsverkehr beginnt, merke ich kaum einen Unterschied, ob ich vorher geübt habe oder nicht – die Konzentration stellt sich von selbst ein. An Tagen mit viel Unterbrechung direkt am Morgen, mit Schlange an der Ausleihe und mehreren Dingen gleichzeitig, macht die kurze Session vorher spürbar etwas aus. Das ist für mich inzwischen die einfachste Faustregel: Vorbereitung lohnt sich dort, wo der Tag ohnehin schon zerstückelt anfängt, nicht dort, wo er es von selbst nicht tut.
Eine Leserin, Hildegunde Rotter, schrieb mir nach einem meiner ersten Texte über meinen Vater eine kurze Mail und nannte darin ein Detail, das mir selbst beim Schreiben gar nicht bewusst aufgefallen war. Genau dieses Bemerken kleiner, präziser Dinge – nicht das große Gefühl – ist für mich das eigentliche Maß für Konzentration geworden, bei der Arbeit wie beim Schreiben.
Sonntags stehe ich oft am Wochenmarkt am Bassinplatz, kaufe Gemüse für die Woche und rede kaum mit jemandem – und genau diese Fähigkeit, ganz bei einer einzigen, kleinen Sache zu sein, nehme ich mir montags mit an den Stehpult. Nicht als Trick, sondern als etwas, das sich über die Zeit eingeschliffen hat, ohne dass ich es an einer bestimmten Woche festmachen könnte.