Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung: Wie das Ordnen meiner Notizen hilft

Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung: aufgeschlagenes Leinenheft neben gelbem Karteikasten im Selbsttest-Tagebuch zu den phoenix999-Kursen
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Die Frage, wie lange es dauert, bis sich emotionale Erschöpfung wie ein geordneter Bestand anfühlt und nicht mehr wie ein Berg ungesichteter Kartons, begleitet mich, seit ich vor drei Jahren mit Ahnenarbeit und den ersten phoenix999-Kursen angefangen habe, mitten in einer Trauerbewältigung, die sich damals noch wie ein einziges großes Durcheinander anfühlte. Eine fertige Antwort steht bis heute nicht in meinem Leinen-Heft, nur eine wachsende Reihe von Einträgen, die ich wie ein Selbsttest-Tagebuch führe.

Ein Kriterium hat sich für mich trotzdem herauskristallisiert: Ich bewerte keine Session mehr am selben Abend. Was direkt nach der Übung wie ein Rückschlag aussieht, sieht am nächsten Morgen im Heft oft schon anders aus, und erst diese zweite Lesung entscheidet bei mir, ob ich eine Karteikarte neu beschrifte oder liegen lasse, wie sie ist.

Zur Einordnung, bevor es weitergeht: In manchen Absätzen verlinke ich auf Kurse, die ich selbst durchgearbeitet habe. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich am Preis für dich etwas ändert. Was hier steht, sind meine eigenen Einträge aus dem Leinen-Heft, nichts, was mir jemand anders vorgegeben hätte.

Seit dem Herbst 2022 arbeite ich in der Fachbibliothek so, als wäre nichts gewesen — Rückgaben stempeln, Signaturen sortieren, die üblichen Rituale eines Werktags. Zu Hause sah das lange anders aus. Erst als ich anfing, die Sessions aus den Kursen genauso zu behandeln wie eine schwierige Neuzugangsliste, merkte ich, dass meine Erschöpfung kein Zufall war, sondern ein überfälliger Bestandsabgleich meiner eigenen Ahnenlinie.

Ahnenarbeit als Ordnungssystem: mein Selbsttest-Tagebuch

Als Bibliothekarin ordne ich nicht aus Zwang, sondern weil Ordnung mir zeigt, wo ich stehe. Für die vier phoenix999-Kurse von Andreas Goldemann habe ich mir vor drei Jahren einen gelben Karteikasten angeschafft, A6-Format, das klassische Modell, das in modernen Katalogsystemen kaum noch vorkommt. Jede Session bekommt eine eigene Karte, mit Datum und ein paar Stichworten — mehr Protokoll als ausführlicher Bericht.

Für die Signaturen halte ich mich lose an die Dewey-Dezimalklassifikation, speziell an die Klasse für Genealogie. Manche Karte bekommt einen Querverweis zu einer anderen, wenn sich ein Familienmuster wiederholt, das es in meiner Verwandtschaft schon lange vor mir gab. Für die Begriffe, die in den Kursen selbst fallen, gibt es ohnehin schon ein eigenes Glossar anderswo; ich beschränke mich in meinem Heft lieber aufs Fühlen als aufs Definieren.

Gelber Karteikasten aus Holz mit handbeschriebenen Karteikarten zur Ahnenarbeit und Trauerbewältigung auf einem alten Eichentisch

Der alte Eichentisch, an dem ich das mache, trägt eine blassgrüne Schreibunterlage voller kleiner Kugelschreiber-Abdrücke. Links davon steht der Karteikasten, rechts liegt das Leinenheft aufgeschlagen, Wochennummer und Datum immer innen auf dem Umschlag notiert, bevor ich überhaupt zu schreiben anfange. Draußen vor dem Fenster stehen die Baumkronen kahl, so wie um diese Jahreszeit üblich. Manchmal, bevor ich mich hinsetze, lehne ich die Stirn kurz gegen die kalte Fensterscheibe — für einen Moment holt mich das ganz in den Raum zurück, bevor die Session beginnt.

Der Yoga-Kurs hat bei mir nicht durchgehalten

Nicht jede Methode, die ich ausprobiert habe, hat gehalten. Im ersten Winter nach dem Tod meines Vaters habe ich mich bei einem Yoga-Kurs im Sportverein angemeldet, in der Hoffnung, dass Bewegung das schafft, was Sitzen allein nicht schafft. Ich bin dreimal hingegangen. Beim vierten Mal blieb ich einfach zu Hause, und danach habe ich es nicht mehr versucht.

Das lag vermutlich nicht am Kurs selbst, eher daran, dass ich in jener Phase etwas brauchte, das sich schriftlich festhalten ließ, und keine Yogamatte lässt sich in einen Karteikasten einsortieren. Was ich stattdessen als Laiin ohne Ausbildung mit den Kursen mache, würde ich nicht als das Lösen einer energetischen Blockade im technischen Sinn beschreiben — ich nenne es lieber eine Fehlstelle im Bestand, die ich Stück für Stück wieder auffülle.

Für Menschen mit schweren oder komplexen Belastungen kann so ein Weg allein nicht reichen, und das schreibe ich hier bewusst hin, auch wenn es nicht das ist, was man in einem Tagebucheintrag erwartet. Ich bin keine Therapeutin, keine Heilpraktikerin, nur eine Frau mit einem Karteikasten. Wenn eine Erschöpfung sich nicht bewegt, egal wie viele Karten ich beschrifte, gehört sie in professionelle Hände, nicht in mein Leinenheft.

Was war in Woche sieben anders?

In Woche sieben seit dem ersten Kurs passierte etwas Kleines, das ich fast übersehen hätte. Ich saß vor einer Session aus Kraft der Ahnen und merkte erst hinterher, dass ich zum ersten Mal nicht nach dem Handy gegriffen hatte, weder davor zum Ablenken noch danach zum Nachschauen, ob irgendwo eine Nachricht wartete.

Nur ein Satz stand danach auf der Karte, kein Kommentar.

Von einer festen Meditationspraxis würde ich bei mir trotzdem nicht sprechen, eher von einem wiederkehrenden Innehalten mit Heft und Stift griffbereit. Trauerverarbeitung, das ist mir in diesen Wochen klargeworden, wird irgendwann zur dauerhaften Hintergrundarbeit, die man kaum noch bewusst spürt, und genau dort helfen mir die Sessions, sie zu sortieren statt sie zu verdrängen.

Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Leinenhefts mit Wochennummer, Datum und Randnotizen aus dem phoenix999-Selbsttest-Tagebuch

Walburga Stenz, die ich über den Potsdamer Hospizverein kenne, hat mir neulich am Telefon nur gesagt, dass mein Heft heute deutlich dicker wirkt als vor einem Jahr. Mehr nicht — sie gibt grundsätzlich keine Ratschläge, nur Beobachtungen, und genau das brauchte ich in dem Moment offenbar mehr als einen Tipp.

Przemek Kujawski, ein Mitpraktizierender aus einem Online-Workshop, hat mich neulich gefragt, wie ich das mit dem ständigen Schreiben eigentlich aushalte. Er selbst redet solche Erfahrungen lieber durch, Satz für Satz im Gespräch, statt sie aufzuschreiben, und ich konnte ihm nur sagen, dass mein Weg über die Karteikarten der einzige ist, der bei mir bisher hält.

Mittlerweile arbeite ich mit dem ganzen Phoenix999-Gesamtpaket, nicht weil ein Kurs allein nicht gereicht hätte, sondern weil die vier Kurse sich für mich wie aufeinanderfolgende Aktenordner anfühlen, jeder mit einem eigenen Thema.

Notizen ordnen, wenn nichts Neues passiert

Es gibt auch Wochen, in denen ich einfach nichts einzutragen habe. Die Seite bleibt leer, weil der Bibliotheksalltag mit liegen gebliebenen Rückgaben und einer verlegten Signatur meine ganze Aufmerksamkeit braucht, und das Leinenheft wartet dann einfach, ohne dass ich mir deswegen ein schlechtes Gewissen mache.

Auch zu Hause merke ich das: Ahnenarbeit hilft mir dabei, mich in meiner Wohnung wieder geborgen zu fühlen, gerade wenn der Wind gegen die alten Doppelfenster drückt und ich sonst nur die Leere der Zimmer wahrnehmen würde. Und wenn der Sonntagabend kommt, ist es oft das immer gleiche Ritual mit Tee und Heft, das mir hilft, Ruhe am Sonntagabend zu finden, bevor die neue Woche in der Bibliothek wieder anfängt.

Die Lehre, die bei mir hängengeblieben ist, hat wenig mit Ahnen zu tun und viel mit Papier: Erschöpfung lässt sich nicht auflösen, aber sie lässt sich beschriften, datieren und irgendwann zur Seite legen, ohne dass sie deshalb verschwindet. Genau das mache ich seit drei Jahren, Karte für Karte, und der gelbe Kasten wird davon nicht leichter, nur übersichtlicher.

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