Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit für Skeptiker: Wie ich als Bibliothekarin Zugang zu Phoenix999 fand

Ahnenarbeit mit Phoenix999: Selbsttest-Tagebuch einer skeptischen Bibliothekarin aus Potsdam

Drei Sekunden. So lange brauchte ich letzten Mittwoch beim Aufwachen, um zu begreifen, warum die Wohnung anders klang als sonst, kein Erschrecken, eher eine kurze Verzögerung, wie eine Karteikarte, die man beim ersten Durchblättern übersieht und erst beim zweiten findet. Die Stille danach war eine andere als die, die ich aus den ersten Monaten nach dem Tod meines Vaters kenne. Ich betreibe seit einer Weile Ahnenarbeit mit den Phoenix999-Kursen, nicht als Glaubenssache, sondern als eine Art Systematik für etwas, das sich lange gar nicht ordnen ließ.

Bibliothekarin bin ich von Beruf, in einer Potsdamer Fachbibliothek, wo ich täglich Bestände ordne, die andere Leute durcheinandergebracht haben. Trauerbewältigung war für mich am Anfang ein Wort, das ich nur aus Broschüren kannte, die in der Ausleihe herumlagen und die kaum jemand wirklich las. Was mir half, war kein Gefühl von Erleuchtung, sondern etwas, das sich anfühlte wie ein Katalogisierungsproblem, das sich lösen ließ.

Bestandsaufnahme: Was von meinem Vater bleibt, wenn das Funktionieren aufhört

Mein Vater starb im Herbst 2022, an einem gewöhnlichen Donnerstag, ohne Vorwarnung. Die Monate danach habe ich in der Bibliothek einigermaßen funktioniert — ausgeliehen, zurückgestellt, katalogisiert —, aber zuhause blieb es leer. Zuerst habe ich es mit Entspannungs-CDs aus der Bücherei versucht, ausgeliehen aus der Musikabteilung im Erdgeschoss. Beim dritten Track bin ich jedes Mal eingeschlafen, nie ruhiger geworden, nur weggekippt. Das war keine Verarbeitung, das war Flucht mit Kopfhörern.

Auf die Kraft der Ahnen bin ich eher zufällig gestoßen, über ein Video von Andreas Goldemann, das mir jemand geschickt hatte. Der erste Kurs der Reihe war dafür da, überhaupt einen Zugang zu finden — bei mir bedeutete das zuerst, meinen Vater nicht als offene Wunde zu behandeln, sondern als ein Glied in einer längeren Kette. In meiner Arbeit ordne ich Wissen nach der Regensburger Verbundklassifikation, und es war fast tröstlich zu merken, dass sich innere Zusammenhänge nach einem ähnlichen Prinzip sortieren lassen.

Nicht jede Woche lieferte etwas Greifbares.

Gelber Karteikasten mit handschriftlichen Ahnenarbeit-Notizen auf DIN-A6-Karten für das Phoenix999 Selbsttest-Tagebuch.

Phoenix999 und die Systematik hinter der Ahnenarbeit

Die Reihe besteht aus vier Kursen, und ich habe sie inzwischen alle durchgearbeitet, einen nach dem anderen, wie einen mehrbändigen Nachlass, den man Band für Band erschließt. Diese Kursarchitektur kam meinem Bedürfnis nach Etappen entgegen, statt alles auf einmal verstehen zu müssen. Andreas Goldemann liefert dabei viel Rhetorik, aber die Übungen wirken auch, wenn man seinem Pathos nicht folgt — genau diese Trennung zwischen der Person und der Praxis hat mich als Skeptikerin überzeugt, weiterzumachen.

Ich bin keine Schamanin und keine spirituelle Lehrerin, sondern eine Frau mit einem gelben Karteikasten, und genau diese Laienhaltung schützt mich davor, mir selbst zu viel Bedeutung zu geben. Wer nichts sein muss, kann nüchtern bleiben, auch wenn im Leinen-Heft inzwischen Sätze stehen, die nach mehr klingen als reine Bibliotheksordnung.

Manchmal reicht kein Dokument, um eine Ahnenlinie zu verstehen. Genau darum ging es, als ich mich näher mit Ahnenforschung ohne Dokumente beschäftigt habe — der Körper trägt offenbar Informationen, die kein Archiv je verzeichnet hat.

Familiäre Muster lassen sich, so hat sich in meinem Fall gezeigt, oft erst erkennen, wenn man aufhört, sie zu rechtfertigen. Im zweiten Kurs ging es genau darum, und ich habe dort versucht, familiäre Verstrickungen zu lösen, ohne gleich das ganze Familiensystem erklären zu wollen. Session-Protokolle helfen mir dabei mehr als jede spontane Eingebung: Datum, Signatur, eine kurze Randnotiz, noch bevor ich beurteile, ob überhaupt etwas passiert ist.

Blick aus einer Potsdamer Gründerzeit-Wohnung auf kahle Parkbäume, Sessel im Vordergrund für die morgendliche Ahnenarbeit-Session.

Der Februar-Widerstand hatte keinen Namen

Es gab einen Wintermorgen im Februar, an dem ich das Gefühl hatte, mich im Kreis zu drehen, ungefähr drei Monate nach dem ersten Kurs. Die Ergebnisse blieben aus, mein gelber Karteikasten füllte sich mit Notizen über meine eigene Ungeduld, und ich fragte mich, ob das alles nur Einbildung war. Am Samstag danach bin ich ohne Ziel durchs Holländische Viertel gelaufen, vorbei an den roten Backsteingiebeln, und habe versucht, den Widerstand wie eine Provenienzfrage zu behandeln: Woher kommt das eigentlich, und gehört es überhaupt mir?

Eine energetische Blockade würde man das im Kursvokabular nennen, aber ich übersetze solche Begriffe meistens in etwas Nüchternes, damit ich nicht selbst ins Schwurbeln gerate — bei mir hieß es einfach: ein Punkt im System, an dem etwas hakt. Genau diese Übersetzung von Kurssprache in beschreibbare Sätze mag ich am meisten, weil sie die Arbeit auch für Leute zugänglich macht, die bei spirituellen Begriffen sonst sofort abschalten.

In jener Woche habe ich eine Session nach acht Minuten abgebrochen, weil draußen die Straßenreinigung vorbeifuhr und ich mich nicht konzentrieren konnte. Die Seite im Leinen-Heft blieb leer, nur das Datum stand oben, sonst nichts. Das zähle ich inzwischen mit dazu — eine leere Seite ist kein Fehlschlag, sie ist ein Eintrag ohne Inhalt.

Ein Mitpraktizierender aus einem Live-Workshop, Przemek Kujawski, hatte mich in jener Zeit einmal gefragt, wie ich meine Notizen eigentlich führe. Ich habe ihm von meinem Karteikasten erzählt, und er meinte nur, seine Schulter melde sich nach intensiven Sessions manchmal lauter als sein Kopf.

Acht Wochen weiterschreiben

Das mit den drei Sekunden beim Aufwachen war vor acht Wochen. Seitdem passiert es öfter: Ich muss morgens kurz suchen, bevor ich verstehe, dass nichts Schlimmes passiert ist, nur etwas leiser geworden. Die Randnotizen in meinem Heft sind in dieser Zeit kürzer geworden, das sehe ich beim Durchblättern.

Walburga Stenz, die als Trauerbegleiterin im Potsdamer Hospizverein arbeitet, hat neulich am Telefon gefragt, wie es mir geht, mit diesem trockenen Witz, der bei ihr erst nach zehn Sekunden ankommt und den man beim ersten Hören für bitteren Ernst hält. Ich habe ihr von der leeren Heftseite erzählt, und sie hat nur gesagt, eine leere Seite sei auch eine Antwort.

Handschriftlicher Eintrag im Leinen-Tagebuch: Ahnenarbeit-Reflexion nach einer Phoenix999 Session.

Meditationspraxis ist für mich inzwischen kein besonderer Moment mehr, sondern ein fester Programmpunkt am frühen Morgen, ungefähr so routiniert wie die Kraft der Ahnen Meditation, mit der ich angefangen habe. Am Schreibtisch aus altem Eichenholz liegt das Leinen-Heft noch aufgeschlagen, Wochennummer und Datum stehen innen auf dem Umschlag, und der Blick geht auf kahle Zweige, die sich in ein paar Wochen wieder grün färben.

Eine leise Verschiebung braucht kein großes Erkennen, um zu zählen — sie braucht nur genug regelmäßige Blicke, damit sie überhaupt eine Signatur bekommt. Das gilt für Kataloge genauso wie für Trauer, und deshalb führe ich das Selbsttest-Tagebuch weiter, auch in Wochen, in denen die Seite leer bleibt.

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