Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit im Alltag integrieren: Wie ich morgens vor der Arbeit Kraft schöpfe

Ahnenarbeit im Alltag integrieren: gelber Karteikasten und Leinen-Heft für die Morgenroutine vor der Bibliothek

Im Freihandbereich ordne ich nach Signatur; in mir selbst gab es nach dem Herbst 2022 lange keine Ordnung, nur lose Zettel. Aus genau diesem Unterschied ist meine Morgenroutine entstanden – eine halbe Stunde vor der Arbeit, in der ich Ahnenarbeit betreibe, so systematisch wie sonst nur einen Bestand. Was am Anfang pure Verzweiflung an der eigenen Trauerbewältigung war, ist über die phoenix999-Kurse zu einem fortlaufenden Selbsttest geworden, über den ich hier offen schreibe.

Kurz vorweg, weil es zur Ehrlichkeit dieses Formats gehört: Ein Teil der Links in diesem Text ist mit meinem Partnerprogramm verknüpft. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, der Preis bleibt für dich dabei gleich. Ich schreibe hier ausschließlich über Kurse, die ich selbst durchgearbeitet und in meinem Leinen-Heft dokumentiert habe – meine vollständige Offenlegung steht am Ende der Seite.

Was vor der Ahnenarbeit alles nicht funktioniert hat

Bevor ich überhaupt bei Andreas Goldemann landete, hatte ich es auf dem naheliegenden Weg versucht: eine Trauergruppe im Stadtteilzentrum, einmal wöchentlich, Stuhlkreis, Kaffee aus der Thermoskanne. Nach drei Treffen bin ich nicht mehr hingegangen. Nicht, weil die Gruppe schlecht war, sondern weil ich in diesem Rahmen kaum etwas fühlte – ich hörte zu, wie andere ihren Verlust sortierten, während sich meiner weiter wie ein nicht katalogisierter Stapel auf dem Schreibtisch türmte.

Wer akut in einer Krise steckt, ist bei einer Trauergruppe oder einem Therapeuten nach wie vor besser aufgehoben als bei mir und meinem Karteikasten. Bei mir ging es zu dem Zeitpunkt eher um die Frage, wie ich mit dem Alltäglichen weitermachen sollte.

Meine Morgenroutine: zwei Rhythmen an einem Schreibtisch

Der Eichentisch, an dem ich sitze, trägt eine blassgrüne Schreibunterlage, an den Rändern längst ausgeblichen. Links davon steht der gelbe Karteikasten – kein Bibliotheksgut, sondern meine private Sammlung, jede Karte von Hand beschriftet mit einem Satz aus einer der Sessions, der mich nicht losgelassen hat. Wie genau ich die Karten einsortiere, wäre ein eigenes Thema für sich.

Leinen-Heft und gelber Karteikasten für die Ahnenarbeit-Morgenroutine, Nahaufnahme auf dem Schreibtisch

Die Zitate auf den Karten stammen fast alle aus Kraft der Ahnen, dem Kurs, mit dem für mich alles angefangen hat. Eine Karte trägt nur einen einzigen Satz aus der Session „Durch die Trauer zurück ins Leben" – die einzige, die ich bisher nie wieder zurück in den Kasten gelegt habe, weil sie meistens oben auf dem Tisch liegen bleibt.

Gerahmtes altes Familienfoto neben Büchern – Erinnerung an den Vater während der Ahnenarbeit

Es geht dabei nicht darum, zur Schamanin zu werden – eher darum, den eigenen Platz in der Ahnenreihe zu finden, um mit mehr innerer Ordnung im Alltag durch eine Schicht in der Bibliothek zu kommen. Durchs Fenster verändern sich dabei die Baumkronen mit der Jahreszeit, kahl im Winter, blassgrün im Frühling – ich habe angefangen, diesen Wechsel wie einen stillen Kalender zu lesen, ohne ihn extra führen zu müssen.

Warum brauchte es zehn Wochen, bis sich etwas verschob?

In der zehnten Woche passierte etwas, das ich zuerst kaum bemerkt habe. Ich wachte an einem gewöhnlichen Morgen auf, und für drei Atemzüge wusste ich nicht, was mir eigentlich fehlte. Erst beim vierten kam die Erinnerung zurück – aber die Stille danach klang anders als in den Monaten davor, weniger hohl, eher wie eine Pause zwischen zwei Kapiteln.

Danach hatte sich etwas in mir verschoben, ohne dass ich aktiv danach gesucht hätte: Ich begann, die Verantwortung für verstorbene Eltern loszulassen, die ich mir seit dem Herbst 2022 aufgeladen hatte, ohne dass es nötig gewesen wäre. Von den vier phoenix999-Kursen ist Kraft der Ahnen der, zu dem ich am häufigsten zurückkomme, gerade wegen dieser einen Session.

Rosmarie, die Schokolade und ein Vormittag im Freihandbereich

Rosmarie aus dem Freihandbereich legt mir manchmal, ohne ein Wort zu verlieren, ein Stück Schokolade auf den Schreibtisch, wenn sie an mir vorbeikommt und findet, der Vormittag sieht nach einem zähen aus. Sie weiß nichts von Karteikasten oder Sessions – für sie bin ich einfach die Kollegin, die morgens manchmal etwas stiller ist als sonst.

Nicht jede Leserin hat morgens eine halbe Stunde für sich. Manche haben ein Kind, das um sechs wach wird, oder eine Schicht, die schon früh beginnt. Der Grund, warum ich die Methode von Andreas Goldemann für den Alltag brauchbar finde, ist, dass keine Session an eine feste Uhrzeit oder Dauer gebunden ist – zehn Minuten zwischen zwei Aufgaben reichen manchmal, um wenigstens eine Karte für den Kasten mitzunehmen. Dabei habe ich gelernt, dass sinnvolle Rituale für Hinterbliebene nicht viel Raum brauchen, um zu wirken – eher eine wiederkehrende kleine Geste als ein aufwendiges Setting.

Wer selbst einsteigen möchte, muss nicht gleich beim schwersten Thema anfangen. Kraft der Ahnen war für mich der richtige erste Schritt, weil der Kurs mit sechs Kern-Sessions überschaubar bleibt und man sich Zeit lassen kann. Wer noch unsicherer ist, ob das Thema überhaupt etwas für einen ist, findet in Zurück zum Ursprung einen bewusst allgemeiner gehaltenen Einstieg, bei dem sich die erste Session vorab anschauen lässt.

Was der Selbsttest bisher gezeigt hat

Was der Selbsttest bisher gezeigt hat, lässt sich für mich auf einen Punkt bringen: Ahnenarbeit funktioniert bei mir am ehesten, wenn ich sie behandle wie jeden anderen Bestand – mit Datum, mit Randnotiz, ohne die Erwartung, dass jeder Eintrag ein Durchbruch sein muss.

Es gab im Spätsommer eine ganze Woche, in der das Leinen-Heft leer blieb, weil ich schlicht keine Lust hatte, mich hinzusetzen. Kaputtgegangen ist dadurch nichts. Die Systematik war am nächsten Sonntag einfach wieder da, so wie ein Regal, das während der Woche niemand angerührt hat.

Falls du selbst nach einer Struktur suchst, um Trauerbewältigung oder den Kontakt zu deiner Ahnenlinie in den Alltag einzubauen, ohne dass daraus ein zweiter Vollzeitjob wird: Fang klein an, mit einer Session statt einem ganzen Kurs auf einmal. Bei mir war es genau das, warum diese Kurse bei tiefer Trauer helfen können – nicht weil sie den Verlust wegnehmen, sondern weil sie eine Struktur anbieten, wo vorher nur Durcheinander war.

Hier findest du weitere Informationen zum Kurs „Kraft der Ahnen" und wie du deine eigene Ahnenlinie stärken kannst.

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