Mein Seelenpfad

Energetische Abgrenzung lernen durch Ahnenarbeit im fordernden Berufsalltag

Energetische Abgrenzung lernen durch Ahnenarbeit im fordernden Berufsalltag

Der Kopierer im Lesesaal spuckt seit Wochen jedes zehnte Blatt schräg aus, einfach so, ohne Grund, den ich finden könnte. Genau so fühlt sich mein Beruf inzwischen manchmal an: mitten im ruhigen Ablauf kippt plötzlich ein Blatt schief, eine fremde Anspannung schiebt sich dazwischen, und ich merke erst hinterher, dass sie nie meine war. Energetische Abgrenzung, so wie ich sie durch die Ahnenarbeit gelernt habe, ist für mich am Ende genau diese Fähigkeit: den schrägen Bogen sofort zu erkennen und ihn nicht mitzunehmen.

Diese Fähigkeit lässt sich üben, und zwar konkret, nicht als vage Stimmungslage. Bevor ich in den Lesesaal wechsle, stelle ich mir eine einzige Frage: War die Anspannung schon da, bevor die Person vor mir stand, oder ist sie erst mit ihr gekommen? Sitzt sie im Magen, ist sie meist meine eigene Restspannung vom Morgen. Sitzt sie eher im Nacken oder im Kiefer, ist sie fast immer von außen dazugekommen. Diese kleine körperliche Unterscheidung ist der ganze Trick, den ich aus den phoenix999-Kursen mitgenommen habe, kein Ritual, kein Räucherstäbchen, nur eine Frage und eine Antwort im eigenen Körper.

Energetische Abgrenzung beginnt vor dem Tresen, nicht danach

Am Empfangstresen bleibt für so eine Prüfung keine Zeit, deshalb mache ich sie vorher. Zehn Minuten, bevor ich die Tür zum Lesesaal aufschließe, rufe ich kurz meine Ahnenlinie ins Bewusstsein, nicht als Bild, sondern als ein Gefühl von Rückhalt im Rücken. Was eine Ahnenlinie genau ist, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher, hier reicht mir der kurze innere Griff danach. Dieser Griff dauert vielleicht eine Minute. Ich atme, lasse die Schultern sinken und sage mir innerlich, wessen Tag heute beginnt: meiner.

Rosmarie aus dem Freihandbereich hat neulich gefragt, ob ich schlecht geschlafen hätte, bevor mir selbst aufgefallen war, wie dünnhäutig ich an diesem Morgen war. Sie merkt solche Dinge oft früher als ich. Für mich ist das ein nützlicher äußerer Marker: Wenn andere meine Erschöpfung eher sehen als ich selbst, ist das ein Zeichen, dass ich die morgendliche Prüfung ausgelassen habe.

Nahaufnahme einer handbeschriebenen Karteikarte zur Ahnenarbeit in einem gelben Holzkasten auf einem Holzschreibtisch.

Wessen Erschöpfung ist das eigentlich, meine oder eine fremde?

Die Unterscheidung zwischen eigener und fremder Erschöpfung klingt einfach, ist es aber nicht immer. Manchmal zieht sich eine alte Spannung so nahtlos in mein System, dass ich sie erst Stunden später als fremd erkenne, meist abends, wenn ich das Leinen-Heft aufschlage und merke, dass der Eintrag komisch klingt, fast als würde jemand anderes ihn diktieren.

Manchmal ist diese Erschöpfung auch gar nicht neu, sondern ein altes Familienmuster, das mitschwingt, sobald der Ton am Tresen zu scharf wird. Das ist ein eigener Querverweis in meinem Bestand, den ich heute nicht ziehe, nur so viel: Wer merkt, dass die eigene Erschöpfung merkwürdig vertraut wirkt, älter als der Anlass, sollte diesem Faden irgendwann nachgehen.

Bevor ich die Kurse fand, hatte ich es mit einer Trauergruppe im Stadtteilzentrum versucht. Nach drei Treffen bin ich nicht mehr hingegangen, weil ich in der Runde vor allem fremde Trauer aufgesogen habe, ohne ein Werkzeug zu haben, sie anschließend wieder abzugeben. Keine schlechte Gruppe, nur das falsche Werkzeug für mich in diesem Moment.

Die kurze Rückgabe zwischen zwei Signaturen

Der eigentliche Handgriff passiert mitten in der Arbeit, oft zwischen zwei Signaturen, während ich ein Buch zurück ins Regal trage. Ich nenne ihn bei mir schlicht die Rückgabe, ein direkter Ableger der Technik der intuitiven Töne aus einer frühen Session. Sobald ich merke, dass ich meine Haltung ändere, nur um jemanden zu besänftigen, ist das mein Signal. Dann halte ich kurz inne und stelle mir vor, wie ich das, was gerade an mir hängen geblieben ist, an die Stelle zurücktrage, wo es herkam, ganz ähnlich wie ein falsch einsortiertes Buch an seinen richtigen Standort. Es bleibt nicht bei mir, aber ich weiß, wo es steht, falls ich es je wieder brauche.

Was in diesem Moment im Körper passiert, gehört in den Bereich der energetischen Blockaden und des energetischen Schutzes im weiteren Sinne, und beides sind eigene Themen, die ich an anderer Stelle ausführlicher führe. Hier zählt nur die schmale, alltagstaugliche Version davon: eine Sekunde Innehalten zwischen zwei Regalreihen, nicht mehr.

Alte Bibliotheksbücher neben einem Leinen-Tagebuch für energetische Abgrenzung im Berufsalltag, auf einem Holztisch bei sanftem Licht.

Diese schmale Version reicht nicht immer aus, gerade wenn die Erschöpfung nicht nur vom Tresen kommt, sondern von einem Verlust, der noch nachwirkt. In solchen Phasen lese ich manchmal nach, warum die Andreas Goldemann Kurse bei tiefer Trauer helfen können, weil die Übungen dann mehr leisten als reine Abgrenzung am Arbeitsplatz.

Marginalia: die Grenzen dieser Übung

Nicht jede Rückgabe gelingt. Manchmal ist der alte Reflex schneller als die neue Gewohnheit, und ich trage eine fremde Anspannung bis nach Hause, ohne es im Moment zu merken. Das ist keine Ausnahme, das ist die Regel an schlechten Tagen, und solche Abende landen als Randnotiz im Heft, nicht als Versagen.

Hildegunde Rotter, eine Leserin aus Stuttgart, hat mir Monate nach ihrer ersten kurzen Nachricht noch einmal geschrieben, ganz unerwartet, mit einem kleinen Update aus ihrem Schulalltag. Genau solche späten Rückmeldungen zeigen mir, dass die Übung offenbar auch außerhalb meines eigenen Tresens funktioniert, nicht nur in der Theorie meines Heftes.

Es gab einen Nachmittag, an dem ich eine Tasse Tee zum ersten Mal seit dem Herbst nach dem Tod meines Vaters wirklich in Ruhe austrank, ohne dass die Gedanken vorher schon beim nächsten Streit im Lesesaal waren. Kein großer Moment von außen betrachtet, nur eine warme Tasse, die bis zum letzten Schluck warm blieb, weil ich sie nicht vergaß.

Wo die eigenen Werkzeuge nicht mehr reichen

Diese Übungen ersetzen keine Therapie und keine Trauerbegleitung, das kann ich nicht oft genug wiederholen. Wenn die Erschöpfung nicht mehr nur am Tresen bleibt, sondern den ganzen Sonntag über den Boden unter mir wegzieht, ist das ein anderes Feld als energetische Abgrenzung im Job, und dann gehört professionelle Unterstützung dazu, nicht ein Karteikasten.

Für die reine Alltagsabgrenzung reicht mir dagegen oft ein Umweg durch den Sanssouci-Park auf dem Heimweg, bevor ich die Wohnungstür aufschließe und der Feierabend beginnen darf. Vielleicht helfen dir auch sinnvolle Rituale für Hinterbliebene zur energetischen Unterstützung im Alltag, um einen eigenen Übergang zwischen Beruf und Zuhause zu finden.

Mein Vater kommt in diesen Karteikarten nur selten namentlich vor, aber die ganze Systematik ist ohne ihn nicht denkbar. Selbstfürsorge im Beruf bedeutet für mich am Ende nicht, weniger zu fühlen, sondern genauer zu wissen, welches Gefühl mir überhaupt gehört, und als Potsdamer Bibliothekarin ohne jede therapeutische Ausbildung ist das die einzige Aussonderung, die ich wirklich beherrsche.

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