Mein Seelenpfad

Mangelbewusstsein der Ahnen lösen und innere Fülle durch Ahnenarbeit finden

Mangelbewusstsein der Ahnen lösen und innere Fülle durch Ahnenarbeit finden – Schreibtisch mit Karteikasten und Blick auf den winterlichen Sanssouci-Park

Vierzehn Karten in meinem gelben Karteikasten tragen die Signatur 'Mangel'. Keine einzige trägt die Signatur 'Genug'. Das ist mir neulich beim Sortieren für mein Selbsttest-Tagebuch aufgefallen, und seitdem lässt mich die Schieflage nicht los. Ahnenarbeit, so wie ich sie seit meiner phoenix999-Erfahrung übe, bringt irgendwann genau diese Frage auf den Tisch: Sammle ich nur den Hunger meiner Vorfahren, oder auch ihre Fülle? Dieses Mangelbewusstsein wirkt manchmal wie eine fremde Handschrift im eigenen Leben, und es lässt sich meiner Erfahrung nach auf zwei ziemlich unterschiedliche Arten bearbeiten, mit sehr unterschiedlichem Ergebnis für den inneren Frieden.

Zwei Signaturen für denselben Mangel

An meinem alten Eichentisch liegt eine blassgrüne Schreibunterlage, der Karteikasten steht links davon, griffbereit für die Karten, die ich nach jeder Session beschrifte. Mein Selbsttest-Tagebuch — das schlichte braune Leinenheft daneben — trägt innen auf dem Umschlag nur ein Datum, bevor ich montags wieder an die Ausleihe zurückkehre. In Frostnächten klackert die alte Heizung in der Wohnung im Takt, während ich die Karten sortiere, und genau dabei fiel mir die Schieflage zwischen Mangel- und Fülle-Karten auf.

Bevor der Karteikasten überhaupt existierte, hatte ich es auf die naheliegende Art versucht: Ich meldete mich bei einem Yoga-Kurs im Sportverein an, ging dreimal hin und blieb dann weg. Die Übungen taten meinem Rücken gut, aber das Gefühl von 'es reicht nie', das sich wie eine fremde Handschrift durch mein Leben zog, rührten sie nicht an. Es brauchte offenbar eine andere Art von Arbeit, eine, die nicht am Körper ansetzt, sondern an der Linie dahinter.

Gelber A6-Karteikasten für die Ahnenarbeit-Sessions, sortiert nach Mangelbewusstsein und innerer Fülle

Nur den Schmerz der Ahnen

Der erste Ansatz, den die Kurse nahelegen, ist naheliegend: Man geht der Reihe nach durch die Ahnenlinie und sucht nach den wunden Stellen — Kriegsjahre, Verlust, Hunger, alles, was sich durch die Generationen gezogen hat. Für mich als Bibliothekarin ist das die vertraute Übung: einen Fehler im Bestand aufspüren und benennen. Nur mit einem Haken — wer ausschließlich diese wunden Stellen katalogisiert, bleibt in der Reparaturschleife stecken. Man archiviert das Elend neu, statt es zu bearbeiten. Man nennt das in den Kursen oft ein Familienmuster, aber was ein Familienmuster von einer einzelnen Erinnerung unterscheidet, ist eine andere Frage, die ich hier nicht aufrolle. In solchen Phasen hilft es, Geduld mit mir selbst zu lernen während der Ahnenarbeit Übungen, anstatt eine Session vorschnell als gescheitert abzuhaken.

Mein Vater gehörte für mich lange in diese Kategorie: ein Mann, der nie richtig ankam, immer in Habachtstellung für die nächste Krise. Nach seinem Tod im Herbst 2022 wurde mir klar, wie sehr ich genau dieses Muster einfach weitergeführt hatte, ohne es zu bemerken. Die Grenze zwischen einem eigenen und einem übernommenen Gefühl zu ziehen, ist dabei die eigentliche Übung — und eine, die ich an anderer Stelle ausführlicher führe, nicht hier.

Handschrift mit Füllfederhalter im Leinen-Notizheft – Selbsttest-Tagebuch zur phoenix999-Ahnenarbeit

Ressourcen wiegen mehr als Wunden

Der zweite Ansatz dreht die Blickrichtung um. Statt bei der Not meiner Großmutter zu bleiben, die im Winter 1945 beinahe alles verlor, frage ich inzwischen, woher die Kraft kam, aus dem Nichts wieder ein Zuhause aufzubauen. Dieselbe Linie, derselbe Krieg, aber eine andere Karte im Kasten: nicht 'Verlust', sondern 'Fähigkeit, neu anzufangen'. Diese Verschiebung fühlt sich weniger nach Analyse an und mehr nach einem Platz, den ich in der eigenen Ahnenreihe einnehme — ein Begriff, den die Kurse differenzierter fassen, als ich hier Raum habe.

Das kann sich auch körperlich zeigen.

In einer frühen Session aus dieser zweiten Kategorie fing ich an zu weinen, ohne einen Grund benennen zu können, der sich in Worte fassen ließ — und direkt danach war etwas leichter, so als hätte sich eine Blockade gelöst, die vorher gar keinen Namen hatte. Was man in den Kursen energetische Blockade nennt, erkläre ich an anderer Stelle genauer; hier reicht die Beobachtung, dass sich etwas verschoben hat. Walburga Stenz, die Trauerbegleiterin aus dem Potsdamer Hospizverein, hat mir dazu einmal nur einen Satz mitgegeben, keinen Rat. Sie gibt grundsätzlich keine Ratschläge, nur Beobachtungen: Trauer und Mangel tragen oft dieselbe Handschrift, sind aber nicht dasselbe Wort. Die genaue Trauerverarbeitung neben dieser Arbeit ist wieder ein eigenes Kapitel.

Sonniger Lesebereich in der Potsdamer Wohnung mit Blick ins Grüne – Ort für Ahnenarbeit und inneren Frieden

Die beiden Ansätze in der Ahnenarbeit gegeneinander abwägen

Przemek Kujawski, mit dem ich mich aus einem Online-Live-Workshop bei Andreas Goldemann kenne, verarbeitet solche Sessions lieber im Gespräch als auf dem Papier — er hat mich einmal gefragt, warum ich überhaupt alles aufschreibe, statt einfach zu reden. Meine Antwort war die übliche: Ohne Karteikasten-Systematik verliere ich den Überblick, welche Karte zu welcher Session gehört, und ohne diesen Überblick lassen sich die beiden Ansätze gar nicht vergleichen. Das eigene Kursvokabular (Begriffe wie Session, Linie, Signatur) hilft mir dabei, bleibt hier aber unerklärt; ein ganzes Glossar dazu führe ich an anderer Stelle.

Wie ich das in der Praxis trenne, ist inzwischen eine klare Regel geworden: Fühle ich mich nach einer Session schwerer als vorher, war das wahrscheinlich reiner Mangel-Fokus, und ich wechsle beim nächsten Mal bewusst zur Ressourcen-Seite der Karte. Lässt mich eine Session dagegen ruhiger zurück, auch wenn sie unangenehme Stellen berührt hat, war vermutlich beides im Spiel, und ich lasse sie stehen, wie sie war. Für die reine Bestandsaufnahme, wenn ich verstehen will, was in der Linie passiert ist, taugt der erste Ansatz. Für die Frage, worauf ich mich stützen kann, wenn es gerade eng wird, taugt nur der zweite. Dafür hilft es mir, Ahnenarbeit im Alltag zu integrieren, statt sie nur auf die Sonntagabende zu beschränken.

Ich bin keine Schamanin, keine Therapeutin und keine ausgebildete Energiearbeiterin. Ich übe das als Laienpraxis ohne Ausbildung, mit allem, was dieser Begriff an Grenzen mitbringt, und wer das genauer wissen will, findet das ausführlicher an anderer Stelle. Wer starke, anhaltende Trauer oder psychische Belastung spürt, sollte das nicht allein mit einem Karteikasten bearbeiten, sondern professionelle Trauerbegleitung oder Psychotherapie hinzuziehen; meine beiden Ansätze sind ein persönlicher Weg zur inneren Ordnung, kein Ersatz dafür.

Die vierzehn Mangel-Karten liegen immer noch im Kasten, ich habe keine einzige aussortiert. Dazugekommen ist nur eine neue Signatur: 'Fülle: Präsenz statt Besitz', direkt daneben einsortiert, nicht als Ersatz. Mein Vater taucht in keiner der beiden Kategorien namentlich auf, aber beide erinnern mich an ihn, auf unterschiedliche Weise. Draußen vor dem Fenster liegt der Sanssouci-Park, mal mit kahlen, mal mit blassgrünen Kronen, je nachdem, wann ich gerade sortiere, und das ist vermutlich die ehrlichste Antwort auf die Frage, welcher der beiden Ansätze der richtige ist: beide, abwechselnd, je nachdem, was gerade ansteht.

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