Mein Seelenpfad

Stille nach einem Trauerfall bewältigen mit Übungen aus der Ahnenarbeit

Stille nach einem Trauerfall bewältigen mit Übungen aus der Ahnenarbeit – Potsdam-Tagebuch einer Bibliothekarin zur Trauerbewältigung
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Vom Pfingstberg aus sieht man bei klarer Luft bis zu den Havelseen, an trüben Tagen kaum bis zum Fuß des Hügels. Ahnenarbeit hat für mich lange nichts mit Aussicht zu tun gehabt und mit Trauerbewältigung im klassischen Sinn schon gar nicht, eher mit dem Gegenteil: mit dem Punkt, an dem man nicht mehr hinsehen will. Potsdam hat einen zweiten, bekannteren Park im Süden, den Park Sanssouci, aber dorthin gehe ich selten. Der Pfingstberg liegt näher an meinem Arbeitsweg, und seit einiger Zeit ist er der Ort, an dem ich die Woche sortiere, bevor ich sie ins Leinen-Heft trage.

Ein kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Ich schreibe hier über meinen eigenen Weg mit den phoenix999-Kursen, und wenn du über einen Link in diesem Text etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision. Am Preis für dich ändert das nichts. Ich nenne hier nur Methoden, die tatsächlich eine eigene Karteikarte in meinem gelben Kasten bekommen haben.

Ahnenarbeit als Katalogisierung der Stille

Der Anfang war ein Video, auf das ich zufällig gestoßen bin: Andreas Goldemann sprach über die Kraft der Ahnen, und ich blieb hängen, obwohl ich bei allem, was nach Selbsthilfe klingt, sonst schnell weiterklicke. Vorher hatte ich anderes versucht. Ein Yoga-Kurs beim Sportverein stand mehrere Wochen auf meinem Kalender, ich bin dreimal hingegangen, dann nicht mehr, nicht weil Yoga schlecht gewesen wäre, sondern weil eine Stunde Dehnen nichts an der Stille änderte, die zu Hause auf mich wartete.

Laienpraxis war das richtige Wort dafür, auch wenn ich es erst später gelernt habe: keine Ausbildung, kein Anspruch auf Therapie, einfach eine Bibliothekarin, die eine Methode gefunden hat, ihre Ahnenlinie zu fühlen, ohne gleich einen Beruf daraus zu machen. Mittlerweile habe ich alle vier phoenix999-Kurse durchgearbeitet und für jede Session ein kleines Session-Protokoll auf einer eigenen Karte angelegt, mit Datum und ein paar Zeilen Randnotiz. Nicht jede Karte ist gleich voll. Manche haben nur einen Satz.

Nahaufnahme eines gelben Karteikastens mit handschriftlich beschrifteten DIN A6 Karteikarten zur Ahnenarbeit und Session-Dokumentation

Die Session als Akte lesen

Jede Session bekommt bei mir dieselbe Behandlung wie ein Fund im Lesesaal: Datum, kurze Beschreibung, ein Verweis auf die vorherige Karte, falls es einen gibt. Das ist meine Art der Katalogisierung innerer Zustände, und sie hat wenig mit Esoterik zu tun, auch wenn das Kursvokabular am Anfang gewöhnungsbedürftig ist. Ein Familienmuster, das ich in einer Übung zum ersten Mal benannt habe, taucht auf einer späteren Karte wieder auf, manchmal Monate später, und erst durch den Querverweis sehe ich, dass es kein Zufall war.

Nach einem der Online-Live-Workshops bei Andreas Goldemann kam ein Mitpraktizierender namens Przemek Kujawski in den virtuellen Warteraum und fragte, wie ich meine Karten eigentlich anlege; er will bei allem das Warum hinter dem Ablauf wissen, nicht nur die Anleitung selbst. Ich habe ihm erklärt, dass ich jede Karte wie ein Bibliotheksexemplar behandle: mit Signatur, nicht mit Urteil. Wer mehr über meine ersten unsicheren Wochen lesen will, findet das in meinem Erfahrungsbericht für Skeptiker.

Woche zehn stand ein einziger Satz auf der Karte

Auf der Karte für Woche zehn steht nur ein Satz, ohne weitere Erklärung: Kollegin an der Ausleihe unterbrochen, mitten im Satz, keine Entschuldigung hinterher. Es war keine große Szene, niemand hat etwas gesagt, aber ich habe es mir notiert, weil es genau das alte Muster war: schnell, ungeduldig, weiterhastend, von dem ich dachte, es sei mit der Zeit leiser geworden. Trauerverarbeitung verläuft bei mir nicht in einer geraden Linie, eher wie ein Bestand, den man immer wieder neu ordnet, wenn man merkt, dass etwas falsch einsortiert war.

Eine energetische Blockade würde ich das nicht nennen, das ist nicht mein Vokabular, aber etwas hatte sich festgesetzt, das die Übungen offenbar noch nicht ganz erreicht hatten. Ich habe die Karte trotzdem einsortiert, nicht aussortiert. Genau das unterscheidet für mich die Arbeit mit der Ahnenlinie von einer einmaligen Übung: Man muss die unfertigen Karten auch behalten.

Trauerbewältigung ohne perfekten Ablauf üben

Im Frühling 2023 hat mich einmal eine Trauerbegleiterin aus dem Potsdamer Hospizverein angerufen, Walburga Stenz, die von einer Kollegin meine Nummer bekommen hatte. Sie sprach langsam, ließ Pausen stehen, die ich zuerst unangenehm fand, und legte nach einem kurzen Gespräch auf, ohne zu drängen, ohne einen zweiten Termin vorzuschlagen. Ich habe sie seitdem nicht wieder angerufen, aber die Art, wie sie mit der Stille am Telefon umgegangen ist, ohne sie zu füllen, ist mir geblieben, lange bevor ich wusste, dass ich später selbst lernen würde, mit Stille anders umzugehen.

Nicht jede Session lässt sich abschließen. Bei einer Übung aus Zurück zum Ursprung bin ich nach wenigen Minuten aufgestanden, weil mir mitten drin eine überfällige Rückgabe aus der Bibliothek einfiel, die ich am Vormittag hätte klären müssen. Die Karte für diese Woche ist bis heute nur zur Hälfte ausgefüllt. Ich habe überlegt, sie nachzutragen, und es dann gelassen, wie es ist.

Wenn du wenig Zeit hast und trotzdem eine Art Halt suchst, brauchst du meiner Erfahrung nach keine perfekte Ruhe im Kopf, bevor du anfängst. Die Kraft der Ahnen Meditation lässt sich auch zwischen zwei Bibliotheksschichten einschieben, zehn Minuten reichen manchmal. Für alle, die sich eher am Rand ihrer Kräfte fühlen als getrieben von Sinnsuche, habe ich in einem anderen Text über Ahnenarbeit bei emotionaler Erschöpfung aufgeschrieben, was bei mir in solchen Wochen geholfen hat und was nicht.

Detailansicht eines Leinen-Tagebuchs mit Randnotizen und einer Tasse Tee, Potsdam-Tagebuch zur Trauerbewältigung mit phoenix999

Bestandsaufnahme im August

Jetzt, im August 2026, ist der Karteikasten deutlich voller als im ersten Winter, und ich habe aufgehört, jede leere Karte als Rückschritt zu lesen. Mein Vater kommt in den neueren Karten seltener vor als in den ersten, was ich lange für ein schlechtes Zeichen hielt, bis mir klar wurde, dass ein Bestand nicht deshalb wertvoll ist, weil er sich ständig verändert, sondern weil man weiß, wo man etwas wiederfindet. Wenn ich heute jemandem raten müsste, der frisch in der Stille nach einem Verlust sitzt: Fang nicht mit dem Anspruch an, jede Woche etwas vorzuweisen. Manchmal ist eine halb leere Karte das Ehrlichste, was man eintragen kann.

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