
Dreiunddreißig Karteikarten stecken in der Signatur für jeden einzelnen phoenix999-Kurs in meinem gelben Kasten, und keine einzige davon trägt die Überschrift Selbstwertgefühl. Trotzdem ist genau das die Frage, die mich immer wieder beschäftigt: ob mein Wert als Mensch aus dem kommt, was ich leiste, oder aus etwas, das älter ist als ich selbst. Ahnenarbeit hat mir darauf kein fertiges Ergebnis geliefert, sondern zwei ziemlich unterschiedliche Fundamente, die seither nebeneinander stehen.
Ich bin Bibliothekarin, keine Therapeutin, das vorweg. Was folgt, ist eine Gegenüberstellung aus meiner eigenen Erfahrung mit den phoenix999-Kursen, kein ärztlicher oder psychotherapeutischer Rat. Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links: Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich ein Cent mehr anfällt.
Zwei Fundamente für ein stabiles Selbstwertgefühl
Fundament eins kenne ich aus dem Bibliotheksberuf: Selbstwert, der sich aus exakter Arbeit speist – eine Signatur, die stimmt, eine Rückgabe, die pünktlich einsortiert ist, eine Auskunft, die auf Anhieb passt. Fundament zwei ist neuer und kommt aus der Ahnenarbeit mit den phoenix999-Kursen: Selbstwert, der nicht aus der einzelnen Leistung stammt, sondern aus der Zugehörigkeit zu einer langen Kette von Menschen, die vor mir da waren. Die Gegenüberstellung dieser beiden Fundamente ist ehrlicher, als sich für eines von beiden zu entscheiden.
Was passiert, wenn die Leistung als Fundament wegbricht?
Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters im Herbst 2022 zeigte sich, wie tragfähig Fundament eins wirklich war. Beruflich funktionierte ich weiter, äußerlich unauffällig, aber mein Selbstwertgefühl brach zusammen, sobald die Leistung als Beweis fehlte, dass mit mir alles in Ordnung ist. Ich las stapelweise Fachliteratur über Trauerbewältigung, doch die Sätze blieben flach – es fehlte die Primärquelle meines eigenen Erlebens, nicht die Zusammenfassung eines fremden Falls.
Mein Hausarzt verschrieb mir in dieser Zeit Schlaftabletten. Nach zwei Wochen habe ich sie selbst wieder abgesetzt, weil sie zwar den Schlaf brachten, aber das Gefühl verstärkten, mich selbst nicht mehr steuern zu können. Wie ich die Trauer um meinen Vater im Einzelnen verarbeitet habe, gehört auf eine andere Karte meines Kastens – hier zählt nur, dass Fundament eins in dieser Phase nicht getragen hat.
Die Ahnenlinie trägt, wo die Leistung aufhört
Genau dort setzt Fundament zwei an. In der Session zur väterlichen Linie im zweiten Kurs ging es nicht um eine bessere Erklärung, sondern um ein anderes Empfinden: eine Art Rückenwind, der nicht davon abhängt, ob ich an diesem Tag etwas richtig gemacht habe. Dieses Gefühl beschreibe ich mir inzwischen als eine Form von inneren Wurzeln, die unabhängig von meiner Tagesform bestehen bleiben.

Andreas Goldemann arbeitet in den Kursen viel mit Ton und Bewegung, um genau solche Verklebungen zu lösen. Wie er seine Methode im Detail aufgebaut hat, würde diese eine Karte hier sprengen – das ist eine eigene Auseinandersetzung für sich. Wichtig für mein Selbstwertgefühl war nur die praktische Konsequenz: Zugehörigkeit lässt sich nicht durch einen einzelnen schlechten Tag aufkündigen, Leistung schon.
Der erste Kurs, Kraft der Ahnen, war für mich der Türöffner zu diesem zweiten Fundament; ob er sich für andere lohnt, ist eine andere Frage als die, um die es hier geht. Inzwischen habe ich alle vier Kurse der Reihe durchgearbeitet, doch in welcher Reihenfolge das für wen sinnvoll ist, ist wieder eine eigene Systematik für sich. Wie man die eigene Ahnenlinie im Einzelnen heilt, wäre ebenfalls eine eigene Karte – hier interessiert mich nur, was davon am Selbstwertgefühl im Bibliotheksalltag ankommt.
Die Stärken der alten Signatur
Fundament eins deshalb ganz abzuschreiben wäre trotzdem falsch. Im Bibliotheksalltag braucht es weiterhin die saubere Signatur, die korrekte Auskunft, das Gefühl, kompetent zu sein – das trägt an ruhigen Tagen vollkommen aus. Eine Bekannte von mir zieht seit Jahren Gemüse in ihrem Kleingarten am Schlänitzsee, und ihr Selbstwertgefühl hängt sichtbar an der Ernte: An guten Jahren ist sie zufrieden, in einem schwachen Jahr zweifelt sie an sich selbst, obwohl der Ertrag mit dem Wetter zu tun hat und nicht mit ihr.
Samstags kaufe ich ihr Gemüse manchmal direkt auf dem Wochenmarkt am Bassinplatz ab, und genau dort zeigt sich der Unterschied zwischen den beiden Fundamenten am deutlichsten. Leistungsbasierter Selbstwert reagiert sofort und ehrlich auf ein gutes Ergebnis – das ist seine Stärke. Er bricht nur genauso schnell weg, sobald das Ergebnis ausbleibt, ganz gleich, ob es an einem selbst liegt oder nicht.
Auf dem Rückweg vom Markt quietscht in unregelmäßigen Abständen eine Straßenbahn von der Allee her, gerade so weit weg, dass es vertraut klingt und nicht nach Stadtlärm.
Auch die Ahnenlinie hat ihre blinden Flecken
So verlässlich Fundament zwei in Krisen trägt, so wenig eignet es sich für den schnellen Alltagsbeweis. Es dauert, bis sich das Gefühl von Zugehörigkeit in einer Situation wie einer ungeduldigen Nutzerin an der Ausleihe überhaupt zeigt, und in manchen Phasen passiert dabei sichtbar gar nichts. Blockierende Familienmuster im Einzelnen zu erkennen, ist noch mal ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht aufschlage – für das Selbstwertgefühl reichte mir zunächst die Erkenntnis, dass es sie überhaupt gab.
Nicht jedes toxische Muster verdient Respekt, nur weil es alt ist. Beim Aussondern – dem Teil meiner Arbeit, den ich aus dem Archiv am besten kenne – behalte ich die Kraft und lasse die Marginalia der Vergangenheit dort, wo sie hingehören. Wie man morgens ganz konkret einzelne emotionale Blockaden löst, ist wieder eine eigene Übung für sich, kein Bestandteil dieser Gegenüberstellung.
Dazu kommt: Ich bin keine Schamanin und keine spirituelle Lehrerin, sondern eine Laiin mit einem gelben Karteikasten. Dass man diese Arbeit auch ganz ohne Ausbildung machen kann, ist mir wichtig, verdient aber eine eigene Erörterung und keinen Nebensatz hier. Wie genau ich jede Session danach protokolliere – mit Datum, Randnotiz und Querverweis –, ist ebenfalls eine eigene Systematik, die an anderer Stelle in meinem Archiv steht. Für alle Begriffe aus den Kursen, die ich hier ohne Erklärung benutze, führe ich inzwischen ein eigenes Glossar.

Welches Fundament du gerade brauchst
Eine feste Meditationspraxis, wie sie in den späteren Kursen dazukommt, hilft dabei, beide Fundamente überhaupt erst zu spüren, aber wie sie sich in einen ganz normalen Alltag einfügt, ist noch mal ein eigenes Thema. Für die Entscheidung, die hier zählt, reicht die einfachere Version: In akuten Situationen – eine Deadline, eine schwierige Nutzerin, ein Tag, an dem alles glattgehen muss – trägt Fundament eins zuverlässiger, weil es sofort greifbares Feedback liefert.
Wenn es dagegen um etwas Größeres geht, um eine Krise, einen Verlust oder das Gefühl, dass die eigene Existenz nicht an der nächsten Bewertung hängen darf, lohnt sich der Blick auf die Ahnenlinie mehr als jede weitere Leistungsbestätigung. Neulich habe ich alte Unterlagen durchsortiert und meine Lieblingstasse einfach halb voll neben dem Stapel stehen lassen, ohne den sofortigen Drang, sie wegzuräumen – ein kleines Zeichen dafür, dass nicht mehr jede Unordnung sofort etwas über meinen Wert aussagen muss.
Diese Gegenüberstellung landet, wie die meisten meiner Gedanken dazu, am Ende in meinem Leinenheft – nicht als abgeschlossene Diagnose, sondern als Arbeitsnotiz, auf die ich beim nächsten Zweifel zurückgreifen kann.
Mentale Stabilität im Alltag entsteht für mich also nicht aus einem einzigen Fundament, sondern aus dem Wissen, wann welches trägt – eine Unterscheidung, die mir die phoenix999-Kurse an die Hand gegeben haben, keine fertige Antwort.