Mein Seelenpfad

Übernommene Ängste der Vorfahren lösen für ein freies Leben ohne Altlasten

Frau sitzt nachdenklich am Schreibtisch einer Potsdamer Altbauwohnung – Symbolbild für Ahnenarbeit und das Lösen übernommener Ängste der Vorfahren

Woher weißt du eigentlich, ob eine Angst wirklich dir gehört oder ob du sie nur von jemandem geerbt hast, der sie nie an dich weitergeben wollte? Diese Frage stelle ich mir seit einer Weile öfter, als mir lieb ist, seit ich in meinem eigenen Selbsttest mit den vier phoenix999-Kursen angefangen habe, so etwas wie Ahnenarbeit ernst zu nehmen. Für die Art von Emotionslösung, um die es dabei geht, kenne ich inzwischen zwei ziemlich unterschiedliche Wege, und ich lege sie hier bewusst nebeneinander, ohne mich am Ende für den einen „richtigen" zu entscheiden. Transgenerationale Traumata klingen in der Theorie nach einem klaren Begriff. Im Alltag zwischen Bücherregalen und Wohnzimmertisch sind sie meistens etwas Diffuseres.

Zwei Türen für dieselbe Angst

Der erste Weg ist der, den ich selbst gegangen bin: die eigene Ahnenlinie fühlen, ordnen, benennen, mit den Werkzeugen aus den vier phoenix999-Kursen, die Andreas Goldemann über die Jahre aufgebaut hat. Der zweite Weg läuft nicht über einen Bildschirm und keinen Karteikasten, sondern über ein Gespräch mit einem Menschen, der ausgebildet ist, genau diese Art von Angst zu begleiten.

Walburga Stenz, Trauerbegleiterin beim Potsdamer Hospizverein, hat mich vor einiger Zeit einmal angerufen, kurz, ohne zu drängen, und wieder losgelassen, als klar wurde, dass ich noch nicht bereit war zu reden. Professionelle Trauerverarbeitung ist ihr Handwerk, nicht meins, das will ich hier nicht verwischen. Wenn ich sie anrufe, dauert es bei ihrem trockenen Humor manchmal zehn Sekunden, bis der Witz bei mir überhaupt ankommt, aber genau das gehört zu ihr.

Am Samstag stand ich eine Weile auf dem Wochenmarkt am Bassinplatz, zwischen Gemüsekisten und dem Geruch von frischem Brot, und dachte an genau diese beiden Türen, während ich auf mein Wechselgeld wartete.

Was mein Vater mir stumm weitergegeben hat

Mein Vater war ein Meister des Schweigens. Lange habe ich das für eine reine Charaktereigenschaft gehalten, bis mir in einer Session klar wurde, dass dieses Schweigen selbst eine Art Signatur war, die schon vor ihm angelegt wurde.

Es gibt Forschung, die eine solche Weitergabe unter dem Begriff Epigenetik fasst; den Mechanismus dahinter lasse ich bewusst unangetastet, weil ich keine Biologin bin und das nicht mein Bestand ist. Für mich reicht die Beobachtung, dass Familienmuster sich manchmal wie eine Randnotiz vererben, die niemand mit Tinte geschrieben hat. Die eigene Ahnenlinie zu fühlen bedeutet für mich vor allem, solche stillen Randnotizen überhaupt erst als solche zu erkennen.

Gelber Karteikasten mit handschriftlichen Notizen zur Ahnenlinie – Ordnungssystem für die eigene Ahnenarbeit und transgenerationale Traumata

Meine Karteikasten-Systematik hilft mir dabei, Zitate von tatsächlichen Session-Erfahrungen zu trennen, mehr aber auch nicht. In einer Sitzung im vergangenen Winter, draußen war es klirrend kalt, arbeitete ich an der Ahnenlinie über mehrere Generationen zurück, mit intuitiven Lauten statt mit kognitivem Verstehen. Es ging dabei um das Lösen von Blockaden, die im Energiekörper wie hartnäckige Marginalien kleben geblieben waren.

Warum die Ahnenarbeit selbst zur Falle werden kann

Es gibt eine Versuchung, die ich mittlerweile ernst nehme: jede Unsicherheit sofort als ererbte Last zu verbuchen. Wer ständig nach einer energetischen Blockade sucht, findet am Ende überall eine, auch dort, wo eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher, gegenwärtiger Ärger sitzt.

Einmal habe ich eine ganze Woche ausgesetzt, weil mir auffiel, dass ich die Ahnenarbeit als Vorwand benutzte, um eine unangenehme Entscheidung im Job vor mir herzuschieben. Manchmal verbirgt sich hinter einer diffusen Angst auch etwas, das eher nach einem Familiengeheimnis riecht als nach einer klaren Übung, aber das ist ein anderer Eintrag, kein Aufhänger für heute.

In einem früheren Text bin ich näher darauf eingegangen, warum die Andreas Goldemann Kurse bei tiefer Trauer helfen können, gerade dort, wo einem die Worte fehlen, um das Unaussprechliche zu katalogisieren.

Wann rufst du eine Trauerbegleiterin an, wann bleibst du bei dir selbst?

Bei mir ist die Grenze über die Zeit einigermaßen klar geworden. Wenn die Angst diffus bleibt, wenn sie sich wie eine alte Randnotiz anfühlt, die ich selbst noch entziffern kann, bleibe ich bei meiner eigenen, unausgebildeten Praxis am Wohnzimmertisch.

Diese Laienpraxis ohne Ausbildung funktioniert für mich gerade deshalb, weil ich sie nicht mit einem Therapieanspruch verwechsle. Sobald aber etwas auf lebende Verwandte durchschlägt, sobald ein Gespräch am Familientisch kippt, weil ein altes Muster plötzlich laut wird, ist das für mich der Punkt, an dem ich eher zu jemandem wie Walburga rate als zu einer weiteren Session.

Wer ohnehin hochsensibel auf solche Themen reagiert, sollte sich außerdem fragen, ob er einen energetischen Schutz für sich selbst mitdenkt, bevor er tiefer in die eigene Ahnenlinie geht. Das habe ich in der ersten Zeit komplett unterschätzt.

Der Nachmittag mit den alten Unterlagen

Mein Schreibtisch steht im Wohnzimmer meiner Potsdamer Altbauwohnung, ein alter Eichentisch mit einer blassgrünen Unterlage, an deren linkem Rand der gelbe Karteikasten steht. Vor dem Fenster waren die Bäume an diesem Nachmittag noch kahl, nur ein paar helle Knospen zwischen den Ästen.

Dort saß ich zwischen alten Unterlagen meines Vaters, Kontoauszügen und Formularen, die niemand mehr braucht, die ich aber noch nicht wegwerfen kann. Meine Lieblingstasse stand die ganze Zeit einfach neben mir, kalt geworden, ungespült, und ich habe sie nicht einmal weggeräumt, bevor ich weitergemacht habe.

Früher hätte mich dieses kleine Chaos gestört, eine Unruhe ausgelöst, die in keinem Verhältnis zu einer stehengelassenen Tasse steht. Diesmal habe ich es einfach gelassen, kein Griff danach, keine Entschuldigung an mich selbst, nur die Unterlagen und die Stille im Zimmer.

Manchmal ist genau das der Fortschritt.

Füllfederhalter auf aufgeschlagenem Leinen-Notizheft – Session-Protokoll aus der Ahnenarbeit mit den phoenix999-Kursen

Ich behandle solche Nachmittage inzwischen wie Archivmaterial, mit Datum, mit ein paar Randnotizen im Leinenheft, manchmal mit einem Querverweis zu einer früheren Session. Genau dieses Session-Protokoll war es auch, das Przemek Kujawski interessierte, ein Mitpraktizierender aus einem Online-Workshop bei Andreas Goldemann, der mich einmal in der Pause fragte, wie ich meine Notizen eigentlich führe.

Er hat nur genickt, als ich ihm mein System erklärte, den gelben Karteikasten für Zitate, das Heft für die Sessions selbst, und meinte, bei seinen Schulterschmerzen nach einer intensiven Session helfe ihm ohnehin keine Systematik der Welt.

Was beim Sportverein nicht funktioniert hat

Bevor ich überhaupt bei Andreas Goldemann gelandet bin, hatte ich einen Yoga-Kurs beim Sportverein probiert. Ich bin dreimal hingegangen, fand die Übungen nicht falsch, aber danach ging irgendwie nichts weiter, und ich bin einfach nicht mehr erschienen, ohne mich richtig abzumelden.

Nicht jede Methode muss bei mir bleiben, damit sie trotzdem etwas wert war.

Kraft der Ahnen war der erste der vier Kurse, den ich Monate später gekauft habe, mehr aus Zufall als aus Überzeugung. Was ich an der Methode von Andreas bis heute schätze, ist, dass sie zwischen väterlicher und mütterlicher Linie unterscheidet, auch wenn ich die Details dieser Unterscheidung hier nicht ausrollen will, das gehört in einen eigenen Eintrag.

Nach und nach kamen die anderen drei Kurse dazu, jeder mit einer eigenen Schwerpunktsetzung, insgesamt eine Art vierteiliges Regal, durch das ich mich der Reihe nach durchgearbeitet habe, ohne die Bände gegeneinander zu bewerten. Ein Teil davon ist reine Meditationspraxis, ruhiges Sitzen, Atmen, ohne dass etwas Bestimmtes passieren muss. Ein anderer Teil kommt eher einer Raum- und Objektreinigung nahe, für Dinge und Ecken der Wohnung, an denen alte Energie zu kleben scheint, aber auch das lasse ich heute nur stehen, ohne es zu vertiefen.

Zwei Wege, eine Entscheidung

An einem Sonntagabend vor Kurzem saß ich noch einmal an genau diesem Schreibtisch und erinnerte mich an eine spezifische Vokalsequenz aus dem Kurs „Zurück zum Ursprung": Während Andreas diese Töne erzeugte, spürte ich eine ausstrahlende Wärme vom Solarplexus bis hinunter in die Zehen, kein Einbildungseffekt, sondern etwas, das sich anfühlte, als würde sich ein alter Knoten im Gewebe lösen.

Wer sich auf diesen Weg begibt, sollte wissen, dass es keine Abkürzung gibt; man kann wie man transgenerationale Traumata heilen kann ohne eine Therapie zu beginnen zwar als Leitfaden nutzen, aber die eigentliche Arbeit findet in der Stille des eigenen Wohnzimmers statt. Ich bin keine Therapeutin und habe keinerlei medizinische Ausbildung.

Also, woher weiß ich am Ende, ob eine Angst mir gehört? Bei mir hilft eine ziemlich einfache Prüfung. Bleibt das Gefühl vage, wiederkehrend, aber ohne akuten Anlass, und will ich allein damit arbeiten, wähle ich meine eigene Systematik am Wohnzimmertisch, die vier Kurse, den Karteikasten, das Leinenheft. Hat die Angst dagegen einen klaren, akuten Auslöser, reicht sie in den Alltag lebender Menschen um mich herum hinein oder wird sie so stark, dass sie mich lähmt, wähle ich das Gespräch mit jemandem wie Walburga oder mit einem Arzt, keine weitere Session.

Heute Abend schließe ich mein Heft und blicke von meinem Fenster aus in Richtung Sanssouci, wo die Wege jetzt im Dunkeln liegen. Die Geschichte meiner Vorfahren ist immer noch da, ein Teil meiner eigenen Signatur, aber sie diktiert nicht mehr, durch welche der beiden Türen ich an einem bestimmten Tag gehen muss.

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