
Im gelben Karteikasten hat sich mittlerweile mehr angesammelt unter dem Buchstaben V für 'Verstrickung' als unter jedem anderen Stichwort – die nüchternste Zusammenfassung meiner Ahnenarbeit, die ich kenne: kein einzelner Aha-Moment, sondern eine langsame Verschiebung im Bestand.
Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Manche der Verweise in diesem Text führen zu Angeboten, für die ich bei einer Buchung eine Provision bekomme – der Preis ändert sich dadurch für dich nicht. Was hier steht, sind meine eigenen Notizen aus einem laufenden Selbsterfahrungs-Weg mit den phoenix999-Kursen, kein medizinischer oder therapeutischer Rat.
Ahnenarbeit als fester Ablauf: Was in einer Sitzung tatsächlich passiert
Eine Sitzung nach der Methode von Andreas Goldemann, bei mir angefangen mit Kraft der Ahnen, läuft nach demselben Grundmuster ab, egal welcher der vier phoenix999-Kurse gerade dran ist: eine kurze Ruhephase vorweg, eine geführte Passage, danach eine stille Minute. Diese Stille unterscheidet sich von der Stille nach einem Trauerfall, über die ich an anderer Stelle geschrieben habe, trägt aber eine verwandte Schwere.
Wie genau sich das über die vier Kurse hinweg aufbaut, ist eine eigene Geschichte für sich; hier reicht die Feststellung, dass sie aufeinander aufbauen und sich nicht beliebig vertauschen lassen. Ich bin weder Heilpraktikerin noch Therapeutin, und wer diese Arbeit als Laiin macht, so wie ich, sollte diese Grenze im Kopf behalten. Jeder Kurs bringt außerdem ein eigenes Vokabular mit – Begriffe wie 'Verstrickung' oder 'Ressource' meinen hier etwas Bestimmtes, das ich an dieser Stelle nicht im Detail auflisten will.

Was macht eine Sitzung wirksam – und wann bringt sie gar nichts?
Eine Regel hat sich bei mir über die Zeit herausgebildet: Eine Sitzung, die ich zwischen zwei Terminen erzwinge, bringt außer einem dumpfen Kopfschmerz nichts. Der Rahmen entscheidet mehr als die Absicht dahinter: genug Zeit davor, kein Blick auf die Uhr, keine offene Ausleihe im Kopf, die noch erledigt werden muss.
Einmal hatte ich mir einen Wochenendworkshop zur Trauerverarbeitung ausgesucht und gebucht, mit fremden Menschen in einem Stuhlkreis. Zwei Tage vorher habe ich wieder abgesagt: Die Vorstellung, das Ganze vor anderen zu tun, hat sich falsch angefühlt, und diese Absage bleibt eine der klareren Entscheidungen aus dieser ganzen Zeit.
Familienmuster lassen sich, so meine Erfahrung, schwer in einer Gruppe entwirren; bei mir brauchen sie eher die Stille für mich allein als den Stuhlkreis.
Was der Kurs eine energetische Blockade nennt, würde ich in meinem eigenen Vokabular eher als Widerstand bezeichnen. Mehr dazu gehört an eine andere Stelle.
Das Leinen-Heft nutzen, nicht nur beschreiben
Was danach ins Heft kommt, ist knapp: Datum, ein Stichwort, selten mehr als zwei Sätze – ein kurzes Session-Protokoll, keine Erzählung.
Der Papiergeruch, der aufsteigt, wenn ich das Leinenheft am frühen Morgen aufschlage, bevor die erste Zeile steht, ist für mich inzwischen fast ein Signal: jetzt ist Zeit für diese Arbeit, nicht für die Ausleihliste von gestern.
Dieses knappe Format ist im Kern eine Form von mentaler Klarheit durch systematisches Archivieren, wie ich es an anderer Stelle ausführlicher nenne – was aufgeschrieben ist, muss ich nicht mehr im Kopf behalten. Die Ahnenlinie selbst, im Sinn dessen, was der Kurs damit meint, ist dabei für mich eher eine Richtung als eine Liste von Namen, aber das ist wieder ein eigenes Thema.

Trauerbewältigung ist kein Endpunkt, sondern eine laufende Randnotiz
Wenn Familiengeheimnisse ins Spiel kommen, wird es komplizierter als bei einer einzelnen Blockade oder einem einzelnen Muster: dazu gehört, dass man nicht jeden Bruch in der Linie sofort verstehen oder gar versöhnen muss, um mit ihm weiterzuarbeiten. Wer sich näher mit dem Thema Familiengeheimnisse heilen beschäftigen will, findet dazu an anderer Stelle mehr.

Meditation ist Teil dieser Praxis, auch wenn ich das Wort im Alltag selten benutze. Für mich ist es schlicht die Zeit, in der ich nichts anderes mache als zuzuhören, ohne dass es dafür einen eigenen Namen bräuchte.
Benedikta Czorny, eine Bekannte aus dem Andreas-Goldemann-Forum, schreibt öfter, dass sie an sich selbst zweifelt, ob überhaupt etwas passiert – ein Zweifel, den dort sonst kaum jemand offen zugibt.
Mir ging es in der dritten Sitzung ähnlich: Ich habe geweint, ohne einen Grund benennen zu können, und irgendetwas hat sich gelöst, ohne Ankündigung und ohne dass ich hätte sagen können, welche Karteikarte dafür zuständig gewesen wäre.
Nach einer Sitzung wie dieser gehe ich oft eine Runde durch den Park Babelsberg hier in Potsdam, bevor ich die Karteikarte ausfülle; die Bewegung an der Luft hilft, wieder im Alltag anzukommen, ohne die Sitzung schon zu bewerten.
Wer selbst anfangen will, dem würde ich raten: Die wichtigste Grenze ist nicht der Kurs, sondern der Rahmen drumherum: genug Zeit, kein Blick auf die Uhr, ein Ort ohne Publikum. Das lässt sich mit jedem der vier Kurse und jedem Notizsystem umsetzen, nicht nur mit einem gelben Karteikasten. Mein Vater kommt in diesen Notizen selten namentlich vor, aber er ist der Grund, warum der Karteikasten überhaupt angefangen hat, sich zu füllen.