Mein Seelenpfad

Phoenix999 Kurse wie Archivmaterial im privaten Tagebuch dokumentieren

Aktualisiert
Journaling-Heft und Karteikasten für die Ahnenarbeit-Dokumentation im Phoenix999-Selbsttest

Ein Journaling-Heft, das nur für den Moment geschrieben wird, ist etwas anderes als eines, das man in einem Jahr noch durchsuchen will. Das eine hält fest, was gerade drängt, das andere baut ein System auf, in dem sich ein Muster erst nach vielen Sessions zeigt. Seit ich meine Ahnenarbeit durch die vier Phoenix999-Kurse von Andreas Goldemann begleite, wechsle ich ständig zwischen beiden Formen — und genau dieser Unterschied, nicht ein weiterer Kursvergleich, ist es, worüber ich hier schreiben will.

Diese Sonntagabend-Notizen sind Teil meines laufenden Phoenix999-Selbsttests, aber heute geht es nicht um eine neue Übung aus einem der Kurse, sondern um die Frage, wie ich das alles überhaupt festhalte.

Beruflich sortiere ich Bestände in einer Fachbibliothek, das prägt, wie ich an mein eigenes Leinenheft herangehe. Wo andere assoziativ schreiben und danach nie wieder nachschlagen, will ich später noch wissen, wann genau ein bestimmtes Gefühl zum ersten Mal auftauchte.

Auf dem Rückweg von der Arbeit gehe ich manchmal noch ein Stück die Schiffbauergasse entlang, bevor ich nach Hause komme.

Bevor ich mit Phoenix999 angefangen habe, hatte ich es mit Atemübungen aus einem Selbsthilfebuch versucht. Es fühlte sich an wie eine weitere Aufgabe, die ich richtig machen musste, mit Zähl-Rhythmen, die ich mir merken sollte, während ich eigentlich nur zur Ruhe kommen wollte. Irgendwann landete das Buch ungelesen im Regal.

Freies Schreiben oder Archiv-System für die Ahnenarbeit: Wo liegt der Unterschied?

Freies Schreiben braucht keine Regeln. Du setzt dich hin, lässt die Hand laufen, und was rauskommt, darf roh bleiben. Das entlastet in dem Moment, in dem du es brauchst, hilft aber kaum weiter, wenn du später wissen willst, ob sich etwas wiederholt.

Archivarisches Dokumentieren funktioniert umgekehrt. Ich datiere jede Notiz im Heft und schreibe ein kurzes Stichwort dazu, worauf sie sich bezieht — eine Kieferspannung während einer Übung aus Phoenix 2, zum Beispiel, oder ein Frösteln in den Handgelenken während einer anderen Session. Das kostet mehr Zeit als freies Schreiben. Dafür kann ich später nachschlagen, ob eine Empfindung zum ersten oder zum vierten Mal auftaucht.

Das Session-Protokoll: Datum, Randnotiz, Querverweis

Mein Schreibtisch ist nicht viel: eine blassgrüne Unterlage auf einem alten Eichentisch, der gelbe Karteikasten links in Reichweite, ein Fenster, hinter dem die Baumkronen gerade kahl stehen und im Frühling wieder hellgrün werden. Das braune Leinenheft liegt aufgeschlagen daneben, innen im Umschlag notiere ich, welche Woche und welches Datum gerade dran sind — nicht als Fortschrittsanzeige, einfach damit ich später weiß, wo ich war. Der Karteikasten ist dabei etwas anderes als das Heft: Dort sammle ich Sätze, die mir bei einer Session oder beim Lesen hängen geblieben sind, während das Session-Protokoll selbst komplett im Heft steht.

Ein Session-Protokoll bei mir besteht aus drei Teilen. Zuerst das Datum und eine knappe Beschreibung, was während der Übung körperlich passiert ist, ohne große Deutung. Dann eine Randnotiz, meist nur ein halber Satz, der festhält, wie sich die Session insgesamt angefühlt hat. Und zuletzt, wenn es passt, ein Querverweis auf einen früheren Eintrag, falls mir etwas bekannt vorkommt.

Gelber Karteikasten mit handschriftlichen Zitatekarten als Teil der Phoenix999 Ahnenarbeit-Dokumentation

Andreas Goldemanns Methode arbeitet viel mit Tönen und Bewegung, kaum mit Text, deshalb ist die Übersetzung in mein Heft ohnehin schon eine Interpretation. Die eigentliche Praxis passiert auf der Matte, das Protokoll entsteht danach am Schreibtisch.

Für Begriffe, die in den Kursen ständig auftauchen, führe ich mittlerweile ein kleines Register am Ende des Hefts.

Rosmarie aus dem Freihandbereich legt mir manchmal wortlos ein Stück Schokolade auf den Schreibtisch, während ich mittags meine Karten von der letzten Session nachtrage. Manche Dinge lasse ich absichtlich unkatalogisiert.

Wie oft ich früher mitten in einer Übung nach dem Handy gegriffen habe, weiß ich nicht mehr genau. Aber an die Session, in der ich es zum ersten Mal ganz liegen ließ, ohne bewusst darüber nachzudenken, erinnere ich mich noch — die Übung lief einfach weiter, und erst hinterher fiel mir auf, dass mein Blick sonst reflexhaft zum Display gewandert wäre.

Für mich war entscheidend, die Reihenfolge der vier Phoenix999 Kurse einzuhalten, angefangen bei Kraft der Ahnen, weil sich sonst auch die Dokumentation nicht sauber aufbauen ließ.

Wo die Archivmethode an ihre Grenzen stößt

Nicht jede Session lässt sich sauber katalogisieren. An einem Mittwochabend im Februar saß ich vor einer leeren Seite, weil sich das, was während der Übung passiert war, einfach nicht in Worte fassen ließ — kein Bild, kein Satz, nur ein diffuses Gefühl von Schwere. Ich habe die Seite leer gelassen und keine Notiz erzwungen. Das irritiert meinen ordnenden Teil mehr, als ich zugeben möchte.

Manche Karten benennen nur eine energetische Blockade, ohne dass ich weiter erkläre, was im Körper dabei genau passiert. Das ist an dieser Stelle nicht mein Thema.

Erst über viele Sessions hinweg zeigen die Querverweise, ob sich ein Familienmuster wirklich wiederholt oder ob es nur eine einzelne Session war, die sich groß angefühlt hat.

Braunes Leinenheft mit Randnotizen zum Session-Protokoll der Ahnenarbeit, aufgeschlagen auf dem Schreibtisch

Wann sich welches System eignet

Wenn du gerade nur eine Sache brauchst (den Kopf freibekommen, ein Gefühl loswerden, das sich sonst im Weg staut), dann schreib frei und lass es dabei. Kein Datum, kein Stichwort, einfach die Hand laufen lassen. Wenn du dagegen über die Kurse hinweg wissen willst, ob sich etwas wiederholt, ob eine Blockade wirklich bearbeitet wurde oder nur kurz Ruhe gab, dann brauchst du ein System wie meins: Datum, Randnotiz, Querverweis.

Mein Vater taucht in den Karten selten namentlich auf, aber die Verbindung zu meinem verstorbenen Vater ist in vielen Einträgen mitgemeint, auch wenn ich sie nicht jedes Mal ausschreibe. Dass so ein Protokoll nebenbei auch bei der Verarbeitung von Trauer hilft, ist für mich eher ein Nebeneffekt der Systematik als ihr eigentliches Ziel.

Eine Leserin, Hildegunde Rotter, schrieb mir vor einiger Zeit, ihr sei aufgefallen, dass sich eine Formulierung aus einem meiner Beiträge fast wortgleich schon in einem früheren Beitrag wiederholt hatte. Mir selbst war das beim Schreiben gar nicht bewusst gewesen. Genau solche Wiederholungen sind es, die ein Querverweis-System sichtbar macht, das ein loses Heft übersieht.

Hand sortiert Karteikarten im Journaling-Archiv des Phoenix999-Selbsttests

Durch das Fühlen der eigenen Ahnenlinie ohne formelle Ausbildung lernt man, glaube ich, ohnehin, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt, Dinge festzuhalten.

Am Ende bleiben bei mir beide Systeme im Einsatz: das freie Blatt für den Moment, das archivierte Protokoll für alles, was ich später noch finden will.

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