Mein Seelenpfad

Weisheiten der Ahnen ordnen: Warum ich Kurs-Zitate in einem Karteikasten sammle

Gelber Karteikasten mit handgeschriebenen Zitatkarten aus den phoenix999-Kursen zur Ahnenforschung

Papier gegen Papier klingt anders als eine Tastatur unter den Fingern. Seit ich mich durch die phoenix999-Kurse arbeite, führe ich zwei parallele Systeme für meine Ahnenforschung: ein Leinenheft, das jeden Eintrag der Reihe nach aufnimmt, und einen gelben Karteikasten, in dem dieselben Sätze noch einmal auftauchen — sortiert nach Thema statt nach Datum. Als Bibliothekarin mit einem Hang zur Selbstorganisation wollte ich wissen, welches System meiner eigenen Zettelkasten-Methode wirklich dient.

Kurzer Einschub, bevor es weitergeht: Manche Links in diesem Text führen zu den Kursen selbst, und wenn du darüber buchst, bekomme ich eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Ich beschreibe hier ausschließlich, was ich mit den vier phoenix999-Kursen erlebt und in meinem Leinenheft festgehalten habe. Die vollständige Offenlegung steht am Ende der Seite.

Zwei Systeme für eine Ahnenlinie

Eine Bekannte, die regelmäßig Nordic Walking durch den Grunewald geht, hat mich neulich gefragt, wozu ich zwei Systeme gleichzeitig brauche — würde nicht eines reichen? Die ehrliche Antwort: Nein, weil beide unterschiedliche Fragen beantworten. Das Leinenheft beantwortet „Was ist passiert, und wann?". Der Karteikasten beantwortet „Was weiß ich eigentlich schon zu diesem Thema?" Beide Fragen sind wichtig, aber selten zur gleichen Zeit.

Handbeschriebene Karteikarte mit Zitat aus der Ahnenarbeit neben einem Füllfederhalter — Teil meiner Karteikasten-Systematik für phoenix999-Notizen

Bevor überhaupt eines der beiden analogen Systeme existierte, hatte ich es mit einer Tabelle versucht: Spalten für Kursnummer, Datum, gefühlte Wirkung — klassische Bibliothekarinnen-Reflexe. Es funktionierte nicht. Der Bildschirm blieb kalt, ausgerechnet in der Phase, in der ich anfing, meine inneren Wurzeln zu finden. Irgendwann löschte ich die Datei wieder und kaufte stattdessen Papier.

Die Grenzen der chronologischen Ordnung

Das Leinenheft ist ehrlich in seiner Struktur: ein Eintrag folgt dem nächsten, in der Reihenfolge, in der ich ihn geschrieben habe. Das ist wertvoll, wenn ich sehen will, wie sich etwas über die Zeit hinweg entwickelt hat. Es ist wertlos, wenn mich etwas anderes interessiert: Was habe ich eigentlich insgesamt zu einem wiederkehrenden Familienmuster notiert? Um das herauszufinden, müsste ich das gesamte Heft durchblättern, Seite für Seite, auf der Suche nach einem Satz, der irgendwo zwischen vielen anderen begraben liegt.

Genau an diesem Punkt hilft die Zettelkasten-Methode, die ich aus meinem Beruf kenne und auf die Kurse übertragen habe: nicht chronologisch ablegen, sondern nach Signatur, nach Thema. Wenn Andreas Goldemann in einer Sitzung über das Lösen einer Blockade in der väterlichen Linie spricht, schreibe ich nicht den ganzen Gedankengang mit. Ich destilliere einen Satz und lege ihn unter das passende Trennblatt.

Die Karteikasten-Systematik: Zettelkasten-Methode statt Aktenordner

Mein Karteikasten ist nach Themen getrennt, nicht nach Kursen und nicht nach Datum. Ein Trennblatt für die mütterliche Linie, eines für die väterliche, eines für alles, was quer dazu liegt und sich keiner der beiden Seiten zuordnen lässt. Innerhalb jedes Abschnitts liegen die Karten nicht nach dem Tag sortiert, an dem ich sie geschrieben habe, sondern nach thematischer Nähe — eine Karte über eine gelöste Anspannung im Nacken neben einer anderen, die von einer ganz ähnlichen Empfindung erzählt, obwohl zwischen beiden Einträgen viel Zeit liegt.

Session-Protokolle im eigentlichen Sinn — die ausführliche Nacherzählung einer Sitzung, mit allem, was dabei durch den Kopf gegangen ist — führe ich weiterhin im Leinenheft. Auf die Karte kommt nur die Essenz, oft ein einziger Satz, manchmal nur ein Stichwort mit einem Querverweis auf eine frühere Signatur.

Eine Karte, ein Gedanke, nicht mehr.

Geöffneter gelber Karteikasten mit Trennblättern für Ahnenlinie, Familienmuster und Session-Notizen aus der Ahnenforschung

Manche Karten halten eine gelöste energetische Blockade in einem einzigen Satz fest. Andere sind reine Meditationspraxis — kein Ereignis, nur ein Zustand, den ich festhalten wollte, bevor er wieder verschwindet. Wieder andere haben mit der eigentlichen Trauerverarbeitung wenig zu tun; sie handeln von ganz praktischen Verschiebungen im Alltag, die sich erst im Nachhinein als Teil desselben Prozesses zeigen.

Das Vokabular der Kurse wandert manchmal unverändert auf die Karte — lösen, Linie, Blockade — und manchmal übersetze ich es in eigene Worte, wenn der Kursbegriff nicht trifft, was ich tatsächlich erlebt habe. Ganz selten landet ein Familiengeheimnis auf einer Karte. Die schreibe ich enger, kleiner, fast unleserlich für alle außer mich selbst.

Mittlerweile speisen alle vier Kurse der Reihe denselben Kasten. Kraft der Ahnen war der erste, mit dem ich überhaupt angefangen habe zu sortieren, aber ich wäge die vier nicht gegeneinander ab — das ist eine andere Frage als die, um die es hier geht.

Die Psychotherapie half nicht dauerhaft, der Kasten schon

Vor der Ahnenarbeit war ich bei einer Psychotherapeutin. Drei Sitzungen, dann habe ich nach zwei Monaten abgebrochen — nicht weil etwas falsch gemacht wurde, sondern weil das reine Reden bei mir allein nicht ankam. Ich brauchte etwas, das ich anfassen konnte, das ich später wieder in die Hand nehmen und neu anordnen durfte, und genau das habe ich in einem Gesprächszimmer nie gefunden.

Das soll kein Vorwurf an die Psychotherapie als solche sein — sie hilft vielen Menschen, nur mir eben nicht auf diese Weise. Ausgebildete Therapeutin oder Schamanin bin ich ohnehin nicht. Ich mache das seit drei Jahren als Laiin, ohne Ausbildung in dem Feld, und genau deshalb brauche ich ein System, das mir nichts vorschreibt, sondern nur festhält, was tatsächlich da ist.

Das passende Werkzeug wählen

Die Antwort, zu der ich inzwischen komme, ist einfach, auch wenn sie zwei Werkzeuge verlangt statt eines. Will ich zurückverfolgen, wie sich eine Empfindung von einem Eintrag zum nächsten verändert hat, greife ich zum Leinenheft — dort zählt die Reihenfolge. Will ich dagegen innerhalb einer Minute wissen, was in den Kursen bisher zur väterlichen Linie oder zu einer bestimmten Blockade gesagt wurde, ziehe ich stattdessen eine Karte aus dem Kasten — dort zählt nicht, wann etwas geschrieben wurde, sondern wovon es handelt. Wer nur eines der beiden Systeme führen will, sollte sich fragen, welche der beiden Fragen ihm öfter begegnet.

Die Ordnung verändert, wie ich meine Trauerbewältigung erlebe

Neulich, auf dem Rückweg vom Sanssouci-Park, fiel mir auf, dass etwa zwanzig Minuten vergangen waren, ohne dass ich an meinen Vater gedacht hatte — und dass mich das nicht einmal erschreckt hat. Früher wäre genau das ein Grund zur Unruhe gewesen, so als würde ich etwas Wichtiges verlieren, wenn ich nicht ständig daran denke. Jetzt weiß ich, dass nichts verloren geht, weil es irgendwo in einem der beiden Systeme längst seinen Platz hat.

Mein Vater war ein Mann, der wenig Worte machte, handfest und verlässlich. In meinem Karteikasten hat er trotzdem einen festen Abschnitt bekommen, unter der väterlichen Linie, zwischen Karten zu ganz anderen Themen — nicht als schmerzhafte Erinnerung an eine einzelne Donnerstagnacht im Herbst 2022, sondern als etwas, das ich systematisch weiter erforschen kann, in meinem eigenen Tempo. Wer selbst überlegt, wie er das emotionale Erbe systematisch dokumentieren kann, sollte mit einer einzigen Karte anfangen — mehr braucht es am Anfang nicht.

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