Mein Seelenpfad

Positive Wirkung der Ahnenarbeit: Ein neuer Blick auf meine eigene Familie

Ahnenarbeit und Selbstreflexion: Potsdamer Bibliothekarin schreibt Notizen zur phoenix999-Erfahrung

Manche erwarten von Ahnenarbeit ein warmes Gefühl für die eigene Familie, ich habe stattdessen eine kühle, fast bibliothekarische Übersicht bekommen. Genau um diesen Unterschied geht es hier: die weit verbreitete Annahme, positive Wirkung zeige sich als Nähe und Versöhnung, während meine phoenix999-Erfahrung mir etwas anderes gezeigt hat. Als Potsdamer Bibliothekarin sortiere ich beruflich Bestände, und ausgerechnet dieses Handwerk half meiner Selbstreflexion über die eigene Familie mehr als jede Umarmung es je könnte. Wer zur Ahnenarbeit kommt, weil klassische Trauerbewältigung nicht gegriffen hat, stößt früher oder später auf das Versprechen von Nähe – und genau da will ich ansetzen.

Kurzer Hinweis vorab: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links zu den phoenix999-Kursen. Buchst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, dein Preis bleibt gleich. Ich schreibe nur über Kurse, die tatsächlich in meinem Leinen-Heft stehen, weil ich sie selbst durchgearbeitet habe. Das ausführliche Impressum findest du unten verlinkt. Und: Ich bin weder Ärztin noch Therapeutin, alles hier sind private Notizen. Bei akuter Trauer oder einer psychischen Krise gehört professionelle Begleitung an die erste Stelle, nicht mein Karteikasten.

Mein Vater starb im Herbst 2022 unangekündigt an einem Herzinfarkt, mitten in einer gewöhnlichen Donnerstagnacht. Danach fand ich über einen Zufallsclip von Andreas Goldemann zur Kraft der Ahnen einen Ansatz, der meiner inneren Unordnung wenigstens eine Systematik gab. Mittlerweile habe ich alle vier phoenix999-Kurse durchgearbeitet, aber das hier ist kein Fortschrittsbericht über Wochen und Etappen. Es ist eine Richtigstellung: der Mythos, diese Arbeit wirke nur, wenn man am Ende seine Familie umarmen will, hält sich hartnäckig – und er ist, soweit ich das beurteilen kann, schlicht falsch.

Muss man seine Ahnen lieben, damit Ahnenarbeit wirkt?

Der Mythos klingt fast logisch: ohne Liebe keine Öffnung, ohne Öffnung keine Wirkung. In vielen Texten zur eigenen Ahnenlinie liest sich das wie eine Zugangsvoraussetzung, fast wie ein Türsteher-Kriterium. Lange habe ich geglaubt, ich müsste erst Frieden mit meinem Vater schließen, bevor überhaupt etwas an dieser Arbeit für mich funktionieren könnte.

Bevor ich zu Andreas Goldemanns Kursen kam, hatte ich es auf die klassische Art versucht: einen Yoga-Kurs beim Sportverein gebucht, dreimal hingegangen, danach nie wieder. Die Matte lag noch wochenlang im Flur, während die Motivation nach dem dritten Termin einfach weg war. Es fehlte nicht an gutem Willen. Es fehlte an einem System, mit dem ich das, was in mir lag, überhaupt hätte einordnen können.

Der Irrtum mit der Versöhnung

Versöhnung setzt voraus, dass sich zwei Seiten aufeinander zubewegen. Bei meinem Vater ist das nicht mehr möglich, und bei manchen weiter zurückliegenden Ahnen war es das vermutlich nie. Der Denkfehler liegt darin, Ahnenarbeit wie eine Beziehungsarbeit mit Happy End zu behandeln, statt wie das, was sie für mich tatsächlich ist: ein Sortiervorgang.

Walburga Stenz, eine Trauerbegleiterin aus dem Potsdamer Hospizverein, hat einen trockenen Witz, der sich meist erst nach zehn Sekunden Verzögerung erschließt. Als ich ihr einmal erzählte, ich hätte das Gefühl, meinem Vater noch nicht „genug" verziehen zu haben, sagte sie nur, Verzeihen sei keine Prüfung, die man bestehen müsse, um die Hausaufgaben abgeben zu dürfen. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu merken, dass das ein Witz war.

Gelber Karteikasten für Ahnenarbeit: Sortiersystem einer Potsdamer Bibliothekarin statt klassischer Trauerbewältigung

Wer nach dem Tod eines Elternteils anfängt, seine innere Wurzeln finden zu wollen, sucht dabei oft zuerst nach genau dieser Versöhnung. Dabei hilft es mehr, erst zu klären, was überhaupt im Bestand liegt, bevor man sich fragt, wie man dazu fühlen soll.

Die Signale kommen aus dem Körper, nicht aus dem Herzen

Was sich bei mir tatsächlich verändert hat, war nie ein Gefühl von Nähe. Es war Ruhe im Körper. Auf dem Rückweg vom Sanssouci-Park habe ich einmal bemerkt, dass ich zwanzig Minuten lang nicht an meinen Vater gedacht hatte – kein schlechtes Gewissen deswegen, nur die schlichte Feststellung, dass der Kopf für eine Weile frei gewesen war.

Energetische Blockaden lösen sich, wenn überhaupt, meistens still und körperlich: ein Kiefer, der sich entspannt, ein Rücken, der plötzlich nicht mehr so schwer wirkt. Das mit der Liebe kommt, wenn es kommt. Vorausgesetzt war es nie.

In einem Online-Live-Workshop bei Andreas Goldemann saß ich neben Przemek Kujawski, einem Mitpraktizierenden, der nach intensiven Sessions regelmäßig mit Schulterschmerzen zu kämpfen hat. Er meinte einmal, sein Körper melde sich immer zuerst, lange bevor sein Kopf irgendetwas verstanden habe. Genau das finde ich wieder, wenn ich alte Session-Notizen in meinem Leinen-Heft querlese.

Diese körperliche Gelassenheit ist auch das, was mir hilft, wenn ich Ahnenarbeit im Berufsalltag brauche, an der Informationstheke zum Beispiel, wenn ein Nutzer zum dritten Mal zu spät kommt und trotzdem eine Verlängerung will.

Handschriftliche Notizen im Leinen-Heft während einer phoenix999-Session zur Ahnenarbeit

Familie als Bestand betrachten, nicht als Wunde

Statt Versöhnung zu suchen, sortiere ich. Wiederkehrende Familienmuster behandle ich wie fehlerhaft einsortierte Bücher – nicht als Vorwurf, einfach als etwas, das an der falschen Stelle im Regal steht und irgendwann einen Querverweis braucht.

Ich übe das ohne Ausbildung, als Laienpraxis neben dem eigentlichen Beruf, und genau das war lange mein größter Zweifel: dass es doch professioneller sein müsste, um zu zählen. Mittlerweile sehe ich das anders. Die Systematik kommt aus meinem Karteikasten, nicht aus einem Diplom.

Ein Teil davon ist eine kurze Meditationspraxis vor der Arbeit, mehr Ankommen als große Übung, dazu ein Vokabular aus den Kursen, das ich inzwischen automatisch benutze, ohne jedes Wort im Kopf erst zu übersetzen.

Blick auf den Sanssouci-Park am Abend: Ruhepunkt nach einer Ahnenarbeit-Session in Potsdam

Wie sehr mir dabei das systematische Archivieren meiner Kursnotizen hilft, wird mir jedes Mal klar, wenn ich eine alte Karte wiederfinde und sofort weiß, wohin sie gehört.

Die Regel, die ich daraus mitnehme, ist einfach: Wer auf ein warmes Versöhnungsgefühl wartet, bevor er anfängt, wartet vielleicht ewig. Ich fange lieber mit der Sortierung an und lasse das Gefühl offen – kommt es, gut, kommt es nicht, ist die Übersicht trotzdem etwas wert. Genau das würde ich jedem raten, der aus dem gleichen Grund zögert wie ich am Anfang.

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