Mein Seelenpfad

Emotionale Altlasten der Familie loslassen ohne eine Therapie zu machen

Emotionale Altlasten der Familie loslassen ohne Therapie – Ahnenarbeit als Selbsthilfe-Erfahrung im Potsdamer Tagebuch

Der Kugelschreiber tickt einmal, zweimal, dreimal gegen die Kante des Karteikastens, während ich nach einem Zitat suche, das ich vor einer Weile selbst notiert haben muss und jetzt nicht wiederfinde. Genau in diesem Moment, mitten im Suchen und nicht im Finden, wird mir klar, wie hartnäckig sich eine bestimmte Vorstellung hält: dass emotionale Altlasten der Familie nur dann wirklich verschwinden, wenn man dafür in eine klassische Therapie geht. Alles andere sei Ausweichen. Ich schreibe das hier für mein Potsdamer Tagebuch, aus meiner eigenen Selbsthilfe-Erfahrung mit der Ahnenarbeit über die phoenix999-Kurse, und diese Erfahrung widerspricht dem Mythos an einer sehr konkreten Stelle: emotionale Freiheit bedeutet für mich nicht Verschwinden, sondern einen Platz, der endlich passt.

Der Mythos vom vollständigen Loslassen

Viele stellen sich vor, echtes Loslassen bedeute, dass eine Erinnerung irgendwann spurlos verschwindet — kein Ziehen mehr in der Brust, kein Name, der auffällt, wenn er in einem Gespräch fällt. Nach dieser Logik ist jeder, der noch an einen verstorbenen Vater denkt, noch nicht fertig, und wer nicht regelmäßig auf einer Couch sitzt, macht es sich zu leicht.

Diese Gleichung halte ich für falsch, und zwar aus katalogisierter Erfahrung, nicht aus Trotz. Loslassen heißt in meiner Arbeit mit der eigenen Ahnenlinie nicht löschen. Es heißt, dass ein Gefühl einen Platz bekommt, an dem es liegen darf, ohne dass ich es jeden Tag neu durchsuchen muss. Ein Bestand, der einmal sauber verzeichnet ist, verschwindet nicht aus dem Haus — er hört nur auf, den Flur zu blockieren.

Es klang für mich nie nach reiner Esoterik, eher nach einer Art seelischer Epigenetik, als würde etwas, das frühere Generationen nicht zu Ende verarbeitet haben, in der eigenen Reaktion weiterlaufen. Die Methode von Andreas Goldemann selbst arbeitet dabei eher mit Klang und Körperwahrnehmung als mit Gesprächen, was einen anderen Zugang öffnet als reine Gesprächstherapie.

Gelber Karteikasten mit handbeschriebenen Karteikarten zur Ahnenarbeit bei den phoenix999-Kursen

Warum meine Therapie nach zwei Monaten endete

Ich war vor einiger Zeit bei einer Psychotherapeutin, drei Sitzungen insgesamt, dann habe ich es nach etwa zwei Monaten wieder abgebrochen. Nicht, weil die Frau schlecht gearbeitet hätte. Das Format passte nicht zu mir: das lange Reden über eine Sache, ohne dass ich das Gefühl hatte, irgendwo anzukommen, fühlte sich an wie ein Katalogeintrag ohne Signatur: viele Wörter, kein Ort, an den etwas gehört.

Bei der ersten Sitzung mit den Kursaufnahmen dagegen ist mir aufgefallen, dass ich keine zehn Minuten durchgehalten habe, ohne nach dem Handy zu greifen, sondern die ganze Zeit einfach sitzen geblieben bin. Wer wie ich eher rational denkt, findet übrigens oft in Ahnenarbeit für Skeptiker den leichteren Einstieg, weil es dort nicht um Glauben geht, sondern um die reine Erfahrung im Körper.

Ein Beweis war das nicht.

Es war nur ein Hinweis, dass zwei verschiedene Werkzeuge zwei verschiedene Dinge tun, und dass das eine das andere nicht automatisch falsch macht.

Wo verläuft die Grenze zur Therapie?

Als Laiin ohne jede medizinische oder psychotherapeutische Ausbildung ziehe ich für mich eine klare Linie. Was ich mit meinem gelben Karteikasten und den Kursen mache, trägt bei mir für bestimmte Dinge — für die leisen, wiederkehrenden Gefühle, die sich nicht an ein einzelnes Ereignis heften lassen. Es ersetzt keine therapeutische Begleitung, wenn es wirklich ernst wird, und ist auch nicht dafür gedacht. Eine energetische Blockade zu lösen ist für mich ein Weg neben der Therapie, nicht ein Weg statt ihr.

Eine Kollegin aus der Bibliothek geht jeden Samstag Nordic Walking durch den Grunewald, um den Kopf freizubekommen, und lange dachte ich, ich bräuchte einen ähnlichen körperlichen Ausgleich, bevor ich merkte, dass mein Ausgleich eher auf dem Papier stattfindet als auf einem Weg. Trauerverarbeitung ist für mich kein gerader Pfad von einem Punkt zum nächsten, eher ein Stapel, den ich immer wieder neu ordne, je nachdem, was gerade obenauf liegt.

Aufgeschlagenes Leinen-Notizheft neben Karteikarten – Potsdamer Tagebuch zur emotionalen Freiheit nach der Ahnenarbeit

Familienmuster ordnen statt loswerden

Familienmuster wiederholen sich oft so lange, bis irgendjemand in der Kette einmal genauer hinschaut, und in meinem Fall war das ich, mit einem Karteikasten statt einem Fragebogen. Eine Karte in meinem Bestand trägt die Überschrift "Herkunft ist nicht Schuld" — ein Satz, den ich mir selbst notiert habe, nachdem mir aufgegangen ist, dass ich die Ängstlichkeit meiner Großmutter jahrelang wie meinen eigenen Charakterzug behandelt hatte, statt sie als etwas zu sehen, das ihr gehörte und nicht mir.

Auf dem Weg zur Schiffbauergasse in Potsdam, wo ich nach der Arbeit manchmal noch eine Runde drehe, gehe ich solche Karten im Kopf durch wie eine Bestandsliste. Kraft der Ahnen war der erste der Kurse, mit denen ich überhaupt angefangen habe, und inzwischen kenne ich die Architektur aller vier gut genug, um zu wissen, welcher zu welcher Frage passt. Jede Sitzung bekommt bei mir außerdem ein kurzes Session-Protokoll, mehr Stichpunkt als Aufsatz, damit ich später nachvollziehen kann, was sich tatsächlich bewegt hat und was nur ein guter Moment war.

Emotionale Freiheit, wenn Therapie gerade nicht passt

Meine Meditationspraxis ist unspektakulär, meistens ein paar stille Minuten vor der ersten Ausleihe des Tages, kein Ritual, das ein Foto wert wäre. Wer mit dem Kursvokabular noch nicht vertraut ist, muss dabei nicht jedes Wort kennen, um trotzdem zu merken, ob sich etwas bei einem selbst verändert oder nicht — das lässt sich prüfen, nicht nur glauben.

Die Regel, die ich für mich daraus mitnehme, ist einfach. Wenn ein Gefühl an ein bestimmtes, benennbares Muster gebunden ist und ich merke, dass ich es beim genauen Betrachten leichter machen kann, gebe ich der Selbstarbeit Raum. Wenn ein Gefühl akut ist, wenn es den Alltag lahmlegt oder länger anhält, als ich allein tragen kann, gehört es zu einer Fachperson und nicht in meinen Karteikasten. An anderer Stelle habe ich beschrieben, wie Ahnenarbeit meine Beziehungen zu lebenden Verwandten positiv verändert hat, und dieser Teil der Arbeit gehört für mich in dieselbe Schublade: eine Ergänzung, keine Konkurrenz zur Therapie.

Mein gelber Karteikasten ist inzwischen gut gefüllt, und der Mythos vom vollständigen Verschwinden hat für mich an Kraft verloren. Was bleibt, ist keine Leere, sondern eine Ordnung, in der auch mein Vater seinen Platz hat, ohne dass ich ihn jeden Tag neu tragen muss.

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