Mein Seelenpfad

Epigenetik und Ahnenheilung: Wie ich Erlebnisse meiner Vorfahren heilen kann

Epigenetik und Ahnenheilung im Potsdamer Tagebuch: was die Forschung über ererbte Traumata wirklich zeigt

Manche Kursbeschreibungen zur Ahnenheilung behaupten inzwischen ganz selbstverständlich, genau das zeigen zu können: wo im Körper die unverarbeitete Angst deiner Großmutter sitzt, garniert mit dem Wort Epigenetik, als wäre die Frage längst wissenschaftlich geklärt. Seit meinem phoenix999-Selbsttest mit allen vier Kursen der Reihe frage ich mich in diesem potsdamer Tagebuch immer wieder, wie viel von diesem Anspruch echte Traumabewältigung ist und wie viel Verkaufsrhetorik.

Kurz zur Offenlegung, bevor es weitergeht: Ein Teil der Links auf dieser Seite führt zu den phoenix999-Kursen und ist mit einer Provision für mich verbunden, wenn du darüber buchst — dein Preis ändert sich dadurch nicht. Ich schreibe nur über Kurse, die ich selbst durchgearbeitet habe. Ich bin Bibliothekarin, keine Ärztin und keine Therapeutin — meine ausführliche Einordnung dazu steht ganz unten auf dieser Seite.

Beweist die Epigenetik, dass wir das Trauma unserer Vorfahren heilen können?

Nein — jedenfalls nicht in der Form, wie es in vielen Kursbeschreibungen steht. Der Forschungszweig existiert wirklich: Wissenschaftliche Studien untersuchen mögliche epigenetische Mechanismen der generationsübergreifenden Traumaweitergabe. Aber die Befunde beim Menschen gelten bislang als vorläufig, sie sind nicht abschließend belegt. Das ist ein großer Unterschied zu der Aussage, ein Kurs könne über gezielte Sessions ererbtes Trauma einfach auflösen. Als Bibliothekarin merke ich mir dafür eine einfache Regel: Eine Behauptung ohne Quelle bekommt bei mir keine Signatur, sie bleibt uneingeordnet im Bestand.

Mein Hausarzt hat mir nach dem Tod meines Vaters Schlaftabletten verschrieben. Ich habe sie eine Weile genommen und nach zwei Wochen selbst wieder abgesetzt — nicht weil sie gar nichts taten, sondern weil sie mir nur über die Nächte halfen und an den Tagen nichts änderten. Diese Erfahrung hat mich vorsichtig gemacht mit jedem Versprechen, das schnelle Linderung in Aussicht stellt, egal ob von einer Tablette oder von einer Session.

Gelber Karteikasten mit handschriftlichen Notizen zu Ahnenheilung und Epigenetik

Der Unterschied zwischen Forschungsstand und Kursversprechen

Woran erkennst du im Alltag, ob eine Aussage aus der Forschung stammt oder aus dem Marketing? Ich achte inzwischen auf das Verb. Erforschen, untersuchen, diskutieren sind ehrliche Wörter für ein Feld, das noch nicht fertig ist. Beweisen, belegen, wissenschaftlich bestätigt sind es meistens nicht, wenn es um die Übertragung von Trauma zwischen Generationen geht. Diese kleine Prüfung reicht mir, um einen Kurstext, einen Social-Media-Post oder einen Vortrag einzuordnen, bevor ich ihm glaube.

Die vier phoenix999-Kurse, die ich mittlerweile alle durchgearbeitet habe, sind darin ehrlicher, als ich erwartet hatte. Andreas Goldemann spricht selten von Beweisen, eher von Erfahrung und von Resonanz, und die Kurse haben ein eigenes Vokabular für solche Erfahrungen, das ich mir am Anfang erst erarbeiten musste, fast wie eine fremde Katalogsystematik. Man muss keine Ausbildung haben, um die Ahnenlinie fühlen zu lernen, aber man sollte von Anfang an wissen, dass Fühlen und Beweisen zwei verschiedene Bestände sind, die man nicht in dieselbe Signatur einsortiert.

Ich halte an meinem phoenix999-Selbsttest fest — aus einem anderen Grund

Trotzdem mache ich weiter mit Kraft der Ahnen und den übrigen Kursen der Reihe, nur nicht mehr, weil ich glaube, damit die Angst meiner Großmutter aus meinen Zellen zu holen. Ich dokumentiere jede Session mit Datum und einer kurzen Randnotiz, fast wie ein Protokoll, und allein diese Systematik gibt mir etwas zurück, das ich in den Monaten nach dem Tod meines Vaters verloren hatte. Manchmal löst sich in einer Session eine energetische Blockade, manchmal passiert in der Meditation am Ende gar nichts Nennenswertes, und ich schreibe trotzdem etwas auf. Was die Verbindung zum verstorbenen Vater durch gezielte Ahnenarbeit für mich bedeutet, hat weniger mit Wissenschaft zu tun als mit einer Form, meine eigene Trauer zu bearbeiten, die für mich funktioniert — unabhängig davon, ob sich das eines Tages irgendwo epigenetisch nachweisen lässt.

Eine Nachbarin bei mir im Haus zieht seit Jahren geduldig ihr Gemüse in einem Kleingarten am Schlänitzsee. Wenn ich sie frage, warum sie das macht, obwohl der Ertrag oft mager bleibt, sagt sie nur, es beruhige sie, etwas mit den Händen zu tun, das nicht sofort ein Ergebnis liefern muss. So ähnlich geht es mir mit den Sessions — der Nutzen liegt selten dort, wo ihn ein Kurstext verspricht.

Unterarme mit einem Gefühl von Wärme, Sinnbild für die persönliche Seite der Ahnenheilung

Familienmuster erkennen, ohne sie wissenschaftlich zu überhöhen

Was mir im Alltag mehr nützt als jede Studie, ist zu lernen, blockierende Familienmuster zu erkennen — ein wiederkehrendes Schweigen bei bestimmten Themen, eine übernommene Reaktion auf Stress, ein Verhalten, das ich aus meiner Kindheit kenne, ohne es mir ausgesucht zu haben. Das mit Epigenetik zu verknüpfen, kann ein hilfreiches Denkbild sein, solange man daraus keinen Beweis macht. Bevor ich ein solches Muster vorschnell als genetisch bedingt abhake, frage ich inzwischen erst, ob es nicht einfach über Beobachtung und Nachahmung weitergegeben wurde und nicht über die Gene — das verändert, wie ich in einer Session damit arbeite.

Wo die Ahnenarbeit endet und professionelle Hilfe beginnt

Ich bin keine Therapeutin und keine Ärztin, und bei komplexen Traumafolgestörungen sind die phoenix999-Kurse aus meiner Sicht kein Ersatz für eine begleitete Behandlung. Wenn eine Session dich überflutet statt dich zu erden, ist das kein Zeichen, dass du tiefer gehen musst, sondern ein Grund, mit jemandem zu sprechen, der dafür ausgebildet ist. Diese Grenze ziehe ich für mich klar, gerade weil ich sonst so gern in Kategorien wie belegt oder unbelegt denke — bei der eigenen Psyche reicht mir das allein nicht als Maßstab.

Blick aus einem Potsdamer Altbaufenster auf einen winterlichen Park

In den Frostnächten des letzten Winters, wenn die Heizung in der alten Wohnung anfängt zu klackern und ich sowieso wach liege, habe ich über genau diese Grenze nachgedacht, öfter als mir lieb war. Neulich, auf dem Rückweg durch den Volkspark Bornstedt, fiel mir auf, dass ich fast zwanzig Minuten lang nicht an meinen Vater gedacht hatte, einfach nur gegangen bin. Kein Beweis, keine Studie hätte mir das vorher zeigen können. Was bleibt, ist eine einfache Unterscheidung, die ich seitdem an jede neue Behauptung über Ahnenheilung anlege: Erklärt mir das jemand, weil er es weiß, oder weil er es verkaufen will? Die Antwort verändert, wie viel Glauben ich dem Rest schenke.

Verwandte Artikel