
Ich halte die Tasse mit beiden Händen und warte, bis der Dampf nicht mehr aufsteigt, bevor ich den ersten Schluck nehme. Kein Räuspern, kein Blick zur Uhr, kein Gedanke, der mich vorzeitig hochreißt. Es ist die erste Tasse Tee seit dem Tod meines Vaters, die ich ruhig bis zum letzten Schluck trinke, und ich merke es erst, als die Tasse schon leer vor mir steht. Um genau solche kleinen Verschiebungen geht es in der Ahnenarbeit, die seitdem einen festen Platz in meinen Vormittagen hat – nicht um große Heilsversprechen, sondern um die Sprachlosigkeit, die nach einem plötzlichen Tod zurückbleibt.
Ein kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Manche der Links in diesem Text sind Affiliate-Links zu den phoenix999-Kursen, über die ich meinen eigenen Weg durch die Ahnenarbeit gegangen bin. Wenn du darüber buchst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin Bibliothekarin, keine Therapeutin, und was hier steht, ist mein Leinen-Heft, nicht ein Lehrbuch.
Zwei Wege aus der Sprachlosigkeit: ein kleiner Selbsttest
Am Schreibtisch mit Blick auf den Park Sanssouci, kurz vor der Frühschicht in der Potsdamer Fachbibliothek, fällt mir auf, dass ich in den letzten Monaten zwei ziemlich unterschiedliche Dinge ausprobiert habe, um die Stille zu durchbrechen, die nach dem Tod meines Vaters blieb. Als Bibliothekarin denke ich dabei automatisch in Herkunft und Provenienz – woher etwas kommt, bevor es im Bestand landet – und genauso habe ich am Ende auch meine eigene Sprachlosigkeit behandelt: zuerst die Herkunft der Methode geprüft, dann erst ihre Wirkung.
Das läuft am Ende auf eine klare Entscheidung hinaus, je nachdem, worum es gerade geht.
Der Unterschied zwischen Entspannungs-CD und Sitzungsarbeit
Die erste Methode war denkbar unspektakulär: Entspannungs-CDs aus der Bücherei, die ich mir in den schlimmsten Wochen auslieh, weil ich dachte, es reiche, wenn jemand anders die Worte für mich findet und ich nur zuhören muss. Beim dritten Track bin ich eingeschlafen, jedes Mal, und aufgewacht bin ich benommener, als ich eingeschlafen war, nicht leichter.
Bei der zweiten Methode kam ein Youtube-Clip von Andreas Goldemann dazwischen, dessen Kurs Kraft der Ahnen seit Jahren online verfügbar ist. Der Unterschied zur CD war sofort spürbar: Eine Sitzung verlangt, dass man selbst etwas tut, nicht nur zuhört, und das gehört für mich eher zur eigentlichen Trauerbewältigung als zur reinen Entspannung – genau das hat bei mir etwas verschoben, das die CD nie erreicht hat.

Geduld lässt sich nicht erzwingen, auch nicht mit der besten Methode
Inzwischen weiß ich, dass auch die aktive Methode nicht linear funktioniert: Es gibt Phasen, in denen beim Sitzen einfach nichts passiert, und am Anfang habe ich das für ein Zeichen gehalten, dass ich etwas falsch mache. Mittlerweile sehe ich es eher als eine Frage der Geduld, die mit Bibliotheksarbeit gar nicht so verschieden ist – manche Bestände erschließen sich auch erst beim zehnten Durchgang.
Przemek, mit dem ich mich aus einem Online-Live-Workshop bei Andreas Goldemann kenne, hat mir letzten Mittwoch genau das bestätigt: Bei ihm meldet sich bei intensiveren Sitzungen regelmäßig eine Verspannung in der Schulter, während ihn eine einfache Entspannungs-CD nie etwas spüren lässt, weder gut noch schlecht. Das allein zeigt für mich schon den Unterschied zwischen den beiden Methoden: Die eine bleibt neutral, die andere löst spürbar etwas aus, körperlich wie innerlich.

Vier Kurse, ein Karteikasten, eine Ahnenlinie
Mittlerweile habe ich alle vier Kurse der Reihe durchlaufen, auch die Magen-Darm-Edition und die Zähne-Edition, beide mit einem eigenen Fokus, der mit der ursprünglichen Sprachlosigkeit nur noch locker zu tun hat. Wer unsicher ist, ob das überhaupt etwas für einen ist, kann bei Zurück zum Ursprung erst eine einzelne Sitzung kostenlos ansehen, bevor man sich entscheidet.
Jede dieser Sitzungen bekommt bei mir eine Karte im gelben Karteikasten, mit Datum und einem kurzen Querverweis, mehr nicht – keine Deutung, nur Systematik, auch wenn ein Teil davon sicher in Richtung energetische Reinigungsarbeit geht. Das Vokabular der Kurse, Linie, Blockade, Session, ist mir inzwischen so vertraut wie meine eigenen Signaturen, auch wenn ich nie ganz sicher bin, ob ein Muster eigentlich von der mütterlichen oder der väterlichen Seite kommt. Manchmal stößt man dabei auch auf etwas, das in der Familie nie ausgesprochen wurde, ein Geheimnis, das einfach nie Worte bekommen hat, und das allein erklärt für mich schon einen Teil der eigenen Sprachlosigkeit.

Walburga, die ich über den Potsdamer Hospizverein kenne, hat mal in einem Nebensatz gesagt, Schweigen sei auch nur eine Sprache, die keiner mehr lernen will – trocken genug, dass ich erst zehn Sekunden später gemerkt habe, dass das ein Scherz war. Ob das eigene Schweigen wirklich meins ist oder nur von einer Generation weitergegeben wurde, die selbst nie gelernt hat zu sprechen, lässt sich an einem Nachmittag nicht klären. Was mir dabei hilft, ist eher die Frage nach dem eigenen Platz in der Reihe als die nach der endgültigen Antwort.
Wähle die Methode nach der Lage, nicht nach der Mode
Wenn es nur darum geht, einen akuten Moment zu überstehen, einen Abend, eine durchwachte Nacht, dann reicht eine Entspannungs-CD oder irgendetwas anderes, das einen einfach nur ablenkt, vollkommen aus, und man muss sich dafür nicht in eine Methode wie die Ahnenarbeit vertiefen. Geht es aber darum, eine Sprachlosigkeit zu bearbeiten, die sich über Monate hält und die man nicht mehr nur mit Ablenkung wegbekommt, würde ich aus meiner eigenen Erfahrung eher zur aktiven Sitzungsarbeit tendieren – nicht, weil sie angenehmer ist, sondern weil sie überhaupt etwas in Bewegung bringt, das bei reiner Entspannung unberührt bleibt.
Die ungesagten Worte, die zwischen meinem Vater und mir geblieben sind, lassen sich damit nicht nachträglich sprechen, aber die Sprachlosigkeit selbst bekommt dadurch wenigstens einen Platz, der nicht mehr komplett leer ist. Falls du selbst nach einem plötzlichen Verlust ähnlich sprachlos bist und noch nicht weißt, in welche Richtung du zuerst schauen sollst: Kraft der Ahnen war für mich die Methode, mit der die aktive Seite dieses Vergleichs begonnen hat. Ein Wundermittel ist es nicht, aber ein ehrlicher Ausgangspunkt, von dem aus sich der Rest meines Selbsttests entwickelt hat.