
Sieben Minuten dauert bei mir die Stille am Anfang jeder Sitzung, bevor mit der eigentlichen Ahnenarbeit überhaupt etwas passiert. Keine Kursbeschreibung sagt das vorher deutlich. Man sitzt, der Kopf redet weiter, und erst nach dieser Zeitspanne wird aus dem bloßen Sitzen etwas anderes. Genau dieser unscheinbare Teil der Methode wird selten genau beschrieben, deshalb schreibe ich heute darüber.
Kurz vorweg, weil es dazugehört: Ich verlinke in solchen Texten gelegentlich zu den phoenix999-Kursen, mit denen ich selbst arbeite, und bekomme dafür manchmal eine kleine Provision, ohne dass für dich etwas teurer wird. Genannt wird hier nur, was tatsächlich in meinem Karteikasten liegt. Die ausführliche Offenlegung steht am Ende der Seite.
Der Ablauf einer stillen Sitzung
In der Fachbibliothek beginnt jede Ausleihe mit dem gleichen Handgriff: Karte ziehen, Datum stempeln, Position im Regal merken. Bei einer Sitzung zu Hause läuft es ähnlich, nur wird die Karte am Ende geschrieben, nicht am Anfang. Der Tisch wird frei geräumt, das Heft aufgeschlagen, und die ersten Minuten dürfen einfach verstreichen, ohne dass ich etwas erzwinge. Rosmarie aus dem Freihandbereich legt mir im Pausenraum manchmal wortlos eine Tafel Schokolade auf den Tisch – zu Hause steht neben dem gelben Karteikasten aber nichts außer dem Heft.
Nach der Sitzung kommt das Protokollieren, und das ist der Teil, den ich am ehesten mit meiner Arbeit vergleichen kann: Datum, ein Stichwort, gelegentlich ein Querverweis zu einer älteren Karte. Wie ich diese Karten am Ende sortiere und wann eine davon aussortiert wird, habe ich ausführlicher in meinem Text zum Heilen der Familiengeschichte durch Systematik beschrieben. Ohne dieses Nachbereiten bleibt jede Sitzung ein loses Blatt, das sich später kaum wiederfinden lässt.

Ahnenarbeit ist keine klassische Meditationspraxis
Wer von außen zusieht, könnte das mit stillem Sitzen verwechseln, aber der Unterschied liegt im Material. Bei einer klassischen Meditationspraxis geht es meistens um den Atem selbst, hier eher um das, was auftaucht, während man sitzt – ein Gesicht, ein Satz, ein Gefühl ohne klare Adresse. Zu Anfang habe ich es mit Atemübungen aus einem Selbsthilfebuch versucht, mit festem Zählschema, und es hat sich vor allem angestrengt angefühlt, wie eine zusätzliche Pflichtübung nach einem langen Arbeitstag. Die phoenix999-Sessions verlangen dieses Zählen nicht.
Bei einer dritten Wiederholung derselben Sitzung kam bei mir unvermittelt ein Weinen auf, für das ich keinen Grund hätte nennen können – kein Bild, kein Auslöser, nur ein Lösen, das vorher nicht da war. Ob das mit einem Muster in der eigenen Ahnenlinie zusammenhängt oder eher mit einem wiederkehrenden Familienmuster, kann ich im Einzelfall nicht auseinanderhalten, und das ist auch nicht mein Anspruch als Bibliothekarin ohne psychologische Ausbildung.
Manche nennen das eine gelöste energetische Blockade.
Ich schreibe in mein Heft schlicht auf, was ich dabei gespürt habe, und lasse die Erklärung offen.
Woher kommt diese Methode eigentlich?
Andreas Goldemann hat die phoenix999-Reihe entwickelt, und der erste Kurs, auf den ich gestoßen bin, war Kraft der Ahnen. Vier Kurse gehören inzwischen zur Reihe, jeder mit eigenem Schwerpunkt, und wie genau sie sich im Aufbau unterscheiden, ist ein Thema für einen anderen Text als diesen. Wichtiger ist mir hier die Grundidee dahinter: Man braucht keine Ausbildung, um die eigene Ahnenlinie zu fühlen, sondern ein Heft, etwas Zeit und die Bereitschaft, auch mal ohne jedes Ergebnis dazusitzen.
Genau diese Laienpraxis, ohne Titel und ohne Approbation, war für mich der eigentliche Zugang zur ganzen Reihe. Zurück zum Ursprung, der zweite Kurs, den ich durchgearbeitet habe, ist bewusst allgemeiner gehalten als Kraft der Ahnen – eher ein weiterer Baustein in der Reihe als ein Ersatz dafür. Ein Vergleich der vier Kurse gehört nicht in diesen Text, dafür gibt es an anderer Stelle mehr Platz.

Der veränderte Blick vom Schreibtisch
Der Tisch, an dem all das stattfindet, steht am Fenster meiner Potsdamer Wohnung, mit Blick über die Baumkronen von Sanssouci. Unter den Händen liegt eine helle, blassgrüne Unterlage auf dem alten Eichenholz, an der linken Kante der gelbe Kasten mit handgeschriebenen Zitatkarten. Im Winter zeigt das Fenster nur kahle Äste, im Frühling schiebt sich ein zartes Grün dazwischen, das die Sicht auf das Schloss fast verdeckt.
Das Leinenheft liegt aufgeschlagen daneben, und innen im Umschlag vermerke ich, wann ein Kapitel beginnt und wann es endet – nicht als Fortschrittsbericht für mich selbst, sondern damit ich später wiederfinde, wo eine bestimmte Karte hingehört. Diese Aussicht war früher einfach Kulisse für den Weg zur Arbeit. Heute ist sie eher ein Hintergrund, den ich kaum noch bewusst wahrnehme, während sich der eigentliche Vorgang im Heft abspielt.

Wo hört die Stille auf, ein Werkzeug zu sein?
Stille wird in dieser Szene gern als Ziel an sich verkauft, dabei ist sie kein neutraler Zustand für jeden Menschen. Wer gerade erst jemanden verloren hat, für den kann genau diese Leere kippen und eher Angst als Ruhe erzeugen. Die eigentliche Trauerverarbeitung nach einem solchen Verlust ist ein eigener, oft langwieriger Prozess, den ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben habe, unter anderem in dem Text darüber, wie man die Einsamkeit nach dem Todesfall zu bewältigen lernt.
Sitzungen wie diese sind kein Ersatz für professionelle Begleitung, solange der Boden dafür noch zu instabil ist. Besonders an Feiertagen zeigt sich das deutlich, weshalb ich einen eigenen Text zur Trauer an Feiertagen geschrieben habe. Als Bibliothekarin kann ich einordnen und dokumentieren, aber ich bin weder Therapeutin noch Ärztin, und diese Grenze verschiebt sich für mich auch nach vielen Sitzungen nicht.
Ein Kriterium zählt am Ende mehr als ein Gefühl
Am Ende einer Sitzung frage ich mich nicht, ob ich etwas gefühlt habe, sondern ob der Kopf beim Sitzen wirklich zugehört oder nur eine Rolle gespielt hat. Das ist für mich das eigentliche Kriterium, bevor eine neue Sitzung überhaupt beginnt: Ist im Kopf gerade Ruhe genug, um zuzuhören, oder wird nur inszeniert, was eine Sitzung angeblich aussehen soll. Fällt die Antwort auf Nein, verschiebe ich es lieber auf einen anderen Moment, statt eine leere Karte in den Kasten zu legen.
Für solche Zustände haben die Kurse ein eigenes Vokabular, das ich hier nicht im Detail ausrolle, weil es an anderer Stelle bereits steht. Mein eigener Selbsttest mit der phoenix999-Reihe war kein Beweis für irgendetwas Übersinnliches, sondern eine Methode, mit der ich arbeiten kann, ohne sie größer zu machen, als sie ist. Wer selbst mit dem Gedanken spielt, sollte nicht mit der Erwartung eines Durchbruchs anfangen, sondern mit der Bereitschaft, auch eine Sitzung ganz ohne Ergebnis zu akzeptieren.
