Mein Seelenpfad

Ahnenarbeit Übungen dokumentieren: Mein System mit Notizheft und Karteikasten

Ahnenarbeit Übungen dokumentieren: Mein System mit Notizheft und Karteikasten

Die Karteikarte kippt mir aus der Hand, mitten im Einsortieren zwischen den Registern 'Väterliche Linie' und 'Glaubenssätze' – für einen Moment weiß ich selbst nicht mehr, wohin die Notiz eigentlich gehört. Genau solche Situationen sind es, nach denen mich Leserinnen am häufigsten fragen, seit ich hier über meine Ahnenarbeit-Praxis und meine phoenix999-Erfahrungen schreibe: Wie hältst du das eigentlich fest, ohne dass daraus eine zusätzliche Pflichtübung wird? Meine Antwort fällt unspektakulär aus. Es ist eine Art spirituelle Buchhaltung, mehr Werkzeug als Weisheit, und sie lässt sich am besten über genau diese Fragen erklären.

Warum es hilft, Ahnenarbeit festzuhalten

Manche schreiben mir, die Sessions seien doch etwas Intuitives, warum ich sie dann in Kästchen und Rubriken presse. Beruflich sortiere ich Bestände in einer Fachbibliothek, und diese Gewohnheit hat sich irgendwann auf die innere Arbeit übertragen. Ohne Notiz verblasst ein Eindruck aus einer Sitzung binnen weniger Tage zu einem vagen Gefühl, an das ich mich später kaum noch konkret erinnere. Mit einer kurzen schriftlichen Spur dagegen bleibt greifbar, was sich sonst wie Rauch verflüchtigt.

Nicht jede Übung braucht eine Karte. Kurze Sessions, ein paar Minuten Aufmerksamkeit auf dem Weg zur Arbeit, dürfen ruhig wieder verschwinden. Notiert wird nur, was über den einzelnen Moment hinaus wirkt.

Nahaufnahme eines offenen Notizheftes aus grauem Leinen mit handschriftlichen Notizen.

Meine Ahnenarbeit-Praxis in zwei Werkzeugen

Ein schlichtes, graues Leinen-Heft trägt den chronologischen Faden. Dort steht, was in einer Sitzung passiert ist, kurz und ohne große Interpretation. Der Karteikasten daneben ordnet dasselbe Material später nach Themen – 'Väterliche Linie', 'Mütterliche Kraft', 'Glaubenssätze' und weiteren Registern. Wie ich die Karten im Detail systematisch anlege, von den Kürzeln am Rand bis zur Reihenfolge der Register, ist ein eigenes, längeres Thema für sich; hier reicht der Grundgedanke: Das Heft sammelt, der Kasten sortiert.

Was gehört ins Heft und was auf die Karte

Direkt nach einer Sitzung schreibe ich fast nie etwas auf. Stattdessen kommt zuerst die körperliche Reaktion ins Heft, sobald ich später am Tag ruhig genug dafür bin: ein Ziehen im Nacken, ein tiefer Atemzug, manchmal nur ein einzelnes Wort. Bei einer intensiven Einheit zur Wut nach dem Tod meines Vaters etwa reichte an dem betreffenden Tag ein einziger Satz im Heft, mehr ließ sich zu dem Zeitpunkt noch nicht fassen. Erst wenn sich über mehrere solcher Einträge ein wiederkehrendes Motiv zeigt, wandert die Essenz auf eine Karte.

Eine Karte bekommt nur, was sich wiederholt oder erklärt, warum eine bestimmte Reaktion überhaupt auftaucht. Die Sessions aus den Kursen, etwa 'Zurück zum Ursprung', arbeiten viel mit Stimme und intuitiver Bewegung, was in der Erinnerung schnell verschwimmt. Auf der Karte steht dann nur die verdichtete Erkenntnis, nicht der komplette Ablauf der Übung.

Ein gelber Karteikasten mit Registerkarten und handbeschriebenen DIN A6 Karten.

Die Querverweise machen Muster sichtbar

Kleine Kürzel am unteren Kartenrand, fast wie Signaturen in der Bibliothek, verweisen von einer Karte zur nächsten. Über solche Querverweise ist mir aufgefallen, dass sich ein Thema der emotionalen Zurückhaltung durch mehrere Frauen in meiner Familie zieht, nicht nur durch mich selbst. Ohne die Karten wäre mir diese Wiederholung vermutlich nie bewusst geworden, weil sie sich über einzelne, weit verstreute Sitzungen erstreckte.

So etwas lässt sich natürlich nicht beweisen wie eine biologische Tatsache. Es erinnert mich eher an eine Art gelebte Epigenetik der eigenen Familie, archiviert in kleinen, handlichen Portionen statt in einem Labor. Ob ein Bild oder eine Körperempfindung aus einer Session mit der eigenen Ahnenlinie, mit übernommenen Mustern oder mit einem ganz anderen Familienthema zu tun hat, wird für mich oft erst über die Karten wirklich lesbar. Bis ein solches Muster überhaupt sichtbar wird, braucht es meistens schlicht Geduld mit sich selbst, mehr als eine bestimmte Technik.

Wenn die Seite leer bleibt

Es gibt Phasen, in denen im Leinen-Heft schlicht nichts steht. Keine Sitzung hat sich in dieser Zeit besonders bemerkbar gemacht, oder mir fehlte einfach die Kraft, danach noch zum Stift zu greifen. Früher hat mich das gestört, als müsste jede Phase einen Beleg für Fortschritt liefern. Inzwischen vermerke ich eine solche Phase nur noch mit einem kurzen Strich als 'Vakuum' und mache weiter, sobald wieder etwas da ist, das sich festzuhalten lohnt.

Wer Ahnenarbeit dauerhaft in den Alltag einbauen will, kommt an solchen leeren Phasen ohnehin nicht vorbei. Regelmäßigkeit entsteht bei mir weniger durch Disziplin als durch feste Zeitpunkte, eher durch die Gewohnheit, Ahnenarbeit fest in meine Morgenroutine einzubauen, als durch den Anspruch, jeden Tag etwas Neues zu notieren.

Nahaufnahme einer beschriebenen Karteikarte mit bibliothekarischen Querverweisen.

Mit anderen teilen oder für sich behalten

Nein, bei mir ist das bewusst ein Alleingang. Eine Nachbarin, die regelmäßig Nordic Walking durch den Grunewald macht, hat mich neulich gefragt, ob wir uns nicht zusammensetzen und über unsere jeweiligen Notizen austauschen könnten. Für mich fühlt es sich richtig an, Heft und Kasten für mich zu behalten, nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil die Einträge roher und ehrlicher bleiben, wenn ich weiß, dass niemand sonst sie liest.

Für wen sich dieses System eignet

Dieses System passt vor allem zu Menschen, die ohnehin gerne strukturieren, oder die, wie ich beruflich, schon einen Blick für Ordnung mitbringen. Reicht dir dagegen ein loses Blatt für spontane Notizen völlig aus, wird dich ein Karteikasten mit Registern eher blockieren als unterstützen. Ein einfacher Test hilft weiter: Schreib eine einzelne Sitzung testweise in zwei, drei Sätzen auf. Fällt dir das leicht und hast du danach Lust auf mehr, lohnt sich der Aufbau eines größeren Systems. Fühlt sich das Aufschreiben dagegen wie eine zusätzliche Pflicht an, reicht vermutlich ein einzelnes Heft ohne Karteikasten völlig aus.

Ich bin keine Therapeutin und habe keine medizinische Ausbildung; mein Ansatz bleibt rein erfahrungsorientiert, eine Selbstreflexions-Methode und keine Behandlung. Wenn dich Trauer oder die Arbeit mit den Ahnen psychisch stark belastet, ist professionelle Hilfe bei einer Trauerbegleitung oder in einer Psychotherapie der richtige nächste Schritt, nicht ein zusätzliches Register im Karteikasten.

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