
Der Pfingstberg als fester Platz für die Ahnenarbeit
Seit drei Jahren gehört dieser Weg zu meiner Routine, ungefähr so verlässlich wie die Signaturkontrolle am Ausleihschalter. Nicht jede Woche, aber oft genug, dass ich den Unterschied zwischen einer guten und einer schwierigen Session inzwischen schon am ersten Schritt auf den Kiesweg spüre. Eine Kollegin aus der Fernleihe hat einen Kleingarten am Schlänitzsee, wo sie im Sommer Gemüse zieht, und wenn ich ihr von meinen Sonntagabenden erzähle, vergleicht sie das gern mit ihrem Unkraut – beides Arbeit, die nie ganz fertig wird, aber trotzdem guttut.
Was diese Reinigung für mich bedeutet
Wenn ich von Reinigung spreche, meine ich keinen esoterischen Fachbegriff, sondern einen ganz konkreten Ablauf. Taucht ein Muster auf – dieser plötzliche Drang zur Perfektion zum Beispiel, den auch mein Vater hatte –, schreibe ich es auf, arbeite in der nächsten Session gezielt daran und prüfe danach, ob die Anspannung noch da ist. Genau so gehe ich mit jeder Blockade um, die ich bei mir finde: benennen, bearbeiten, kontrollieren, mehr braucht es dafür nicht. Andreas Goldemann, von dem die ganze Kraft-der-Ahnen-Reihe stammt, kommt in meinem Heft kaum noch namentlich vor. Ich arbeite längst mit dem Material, nicht mehr mit dem Urheber, und die Kurse haben inzwischen ihr eigenes Vokabular in meinem Kopf, an das ich mich erst gewöhnen musste, bevor ich es wie selbstverständlich benutzt habe. Manche Muster wiederholen sich bei meinem Vater und mir in einer Form, die ich inzwischen einfach zur Kenntnis nehme, ohne jedes Mal die ganze Familiengeschichte neu aufzurollen. Wie viel davon aus Fakten besteht und wie viel aus Gefühl, habe ich an anderer Stelle beschrieben, in dem Text Ahnenforschung ohne Dokumente Lücken im Stammbaum füllt. Die Trauer um ihn selbst ist ein eigenes, größeres Thema, das hier nicht breit vorkommt. Ausgebildete Therapeutin oder Schamanin bin ich nicht, nur eine Bibliothekarin mit einer Methode, die bei mir funktioniert. Die Meditation aus einem der späteren Kurse gehört inzwischen manchmal dazu, aber längst nicht bei jeder Session.
Woche fünf: ein Moment, den ich vorher nicht bemerkt hätte
In Woche fünf nach der ersten Kraft-der-Ahnen-Runde ist mir aufgefallen, dass ich einer Kollegin mitten im Satz ins Wort gefallen bin, in einer ganz gewöhnlichen Besprechung über die neue Aufstellung im Lesesaal – und hinterher nicht einmal auf die Idee gekommen bin, mich zu entschuldigen. Ich habe es an dem Abend im Heft notiert, mit Datum, ohne große Erklärung dazu. Erst beim nochmaligen Lesen ein paar Tage später fiel mir auf, wie oft ich das schon gemacht hatte, ohne es zu bemerken. Mehr ist an dem Abend nicht passiert.Warum ich die Schlaftabletten nach zwei Wochen abgesetzt habe
Bevor es die Kurse gab, hatte ich von meinem Hausarzt Schlaftabletten verschrieben bekommen, in den ersten Monaten nach dem Herbst 2022. Genommen habe ich sie knapp zwei Wochen, dann selbst wieder abgesetzt, weil ich morgens wacher war als nachts und das Gefühl hatte, nur eine andere Art von Nebel gegen die Stille einzutauschen. Ein Fehler war das nicht, weder von mir noch vom Arzt – nur die falsche Antwort auf die falsche Frage, wie ich es heute sehen würde.Nicht jede Woche funktioniert die Übung
Es gab auch diese eine Phase im Frühsommer, in der ich das Heft drei Abende hintereinander wieder zugeklappt habe, weil kein Satz kommen wollte. Kein dramatischer Rückfall, eher ein Leerlauf, den ich inzwischen genauso ernst nehme wie einen produktiven Abend. Jede Session bekommt bei mir ohnehin nur ein Datum und einen kurzen Vermerk im Heft, mehr Struktur braucht es dafür nicht, und eine ausgelassene Woche bekommt genauso ihren Platz wie eine, die etwas gebracht hat. Ich habe inzwischen alle 4 Kurse im Selbsttest durchgearbeitet, und keiner davon macht die leeren Wochen überflüssig – sie gehören einfach dazu, genauso wie ein Regal, das mal eine Weile nicht neu sortiert wird.